Stereotype / Vorurteile

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Wie entstehen Stereotype?

Nach Expertenmeinung erlernt jedes Individuum die in seiner Kultur vorhandenen Stereotype und assoziiert diese automatisch mit der betreffenden Gruppe. Ob und in welchem Ausmaß diese Stereotype Vorurteile und Diskriminierungen in dieser Gruppe nach sich ziehen, hängt von personeninternen Faktoren ab, denn Personen geben den ihnen bekannten und automatisch aktivierten Stereotypen unterschiedlich stark nach. Andere Experten gehen ebenfalls von einer automatischen Aktivierung von Stereotypen aus, führen jedoch Unterschiede in der Menge von Vorurteilen nicht auf eine unterschiedliche Hemmung stereotyper Informationen zurück, sondern darauf, dass Personen mit wenigen Vorurteilen sowohl positive als auch negative Stereotype aktivieren, während Personen mit vielen Vorurteilen ausschließlich negative Stereotype zulassen. (https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/stereotype/14836)

Grundlagen

Was sind Stereotype/Vorurteile (Definition)?

„… ein starrer Eindruck, der nur in geringem Ausmaß mit der Realität übereinstimmt, sondern vor allem dadurch zustande kommt, dass wir zuerst urteilen und dann erst hinschauen”, Studie von Katz und Braly - Entwickeln der Adjective Check-Liste, Abk. ACL (Katz, D. & Braly, K.W. (1933). Racial stereotypes of one hundred college students. Journal of Abnormal Psychology, 28, 280-290, ACL: https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/eigenschaftslisten-verfahren/3859).

Nach einer neueren Stereotypendefinition sind Stereotype „... eine Reihe von Überzeugungen über die Merkmale der Mitglieder einer sozialen Gruppe” (https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/stereotype/14836).

Wie entstehen Stereotype?

Nach Expertenmeinung erlernt jedes Individuum die in seiner Kultur vorhandenen Stereotype und assoziiert diese automatisch mit der betreffenden Gruppe. Ob und in welchem Ausmaß diese Stereotype Vorurteile und Diskriminierungen in dieser Gruppe nach sich ziehen, hängt von personeninternen Faktoren ab, denn Personen geben den ihnen bekannten und automatisch aktivierten Stereotypen unterschiedlich stark nach. Andere Experten gehen ebenfalls von einer automatischen Aktivierung von Stereotypen aus, führen jedoch Unterschiede in der Menge von Vorurteilen nicht auf eine unterschiedliche Hemmung stereotyper Informationen zurück, sondern darauf, dass Personen mit wenigen Vorurteilen sowohl positive als auch negative Stereotype aktivieren, während Personen mit vielen Vorurteilen ausschließlich negative Stereotype zulassen (https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/stereotype/14836).

Wozu dienen Stereotype?

1) Orientierungsfunktion: schnelle und präzise Orientierung in einer komplexen sozialen Umwelt

2) Anpassungsfunktion: schnelle Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen (vorherrschende Meinung, Wert-und Normvorstellungen, Handlungsregeln)

3) Abwehrfunktion: Abwehr von Schuldgefühlen, innerpsychischen Konflikten und Selbstkritik; Erhalt eines positiven Selbstbilds; ermöglichen, durch Abwehr, Abwertung und Diskriminierung von Personen/Gruppen über soziale Vergleichsprozess zu einer positiven Selbsteinschätzung zu kommen

4) Selbstdarstellungsfunktion: Selbstdarstellung vor der sozialen Umwelt und Ausbildung eines positiven Eindrucks gegenüber anderen Personen bei sozial erwünschten oder geteilten Eigenschaften; präsentieren vor anderen als Wissende, als Kenntnisreiche, als kompetent Urteilende vor anderen, soweit die vorurteilsbehafteten Einstellungen von der Zuhörerschaft geteilt, übernommen oder zumindest widerspruchslos quittiert werden

5) Abgrenzungs- und Identitätsfunktion: fördern Zusammengehörigkeitsgefühl und gegenseitige Sympathie, Abgrenzung gegenüber Außengruppen, stützen das Wir-Gefühl in der Gruppe, stärkende Funktion zur Identifikation und Positionierung im Gruppengefüge

6) Steuerungs- und Rechtfertigungsfunktion: Verhaltenssteuerung gegenüber Personen, Objekten, Sachverhalten; nachträgliches Rechtfertigen eigener Verhaltensweisen

Quelle: Alexander, Thomas: Die Bedeutung und Stereotyp im interkulturellen Handeln, in: Intercultural Journal, 2006, S. 3- 20.

Welche Risiken bergen Stereotype?

Die Prozesse laufen nicht bewusst, sondern automatisch ab; sie können nur unter besonders günstigen Bedingung reflektiert und einer kognitiv-rationalen Kontrolle unterzogen werden.

Stereotype unterdrücken zu wollen, ist kontra-indiziert, da sich Stereotype dadurch eher verstärken und schneller aktiviert werden. Wenn überhaupt, dann versprechen minimale Veränderungen im kognitiven Kategorisierungshaushalt am ehesten andauernden Erfolg (https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/stereotype/14836).

Methodische Umsetzung

SZENISCH/ SPIELERISCH

Improvisationstheater
Übung “Immer nur Händeschütteln?”

Ziel: Einander Nähern

Stufe 1:

Die Jugendlichen werden aufgefordert, sich im Raum zu bewegen und jede(n), der ihnen begegnet, „normal“ zu begrüßen, so wie sie es gewohnt sind.

Stufe 2:

Danach werden alle aufgefordert, Begrüßungsrituale, die im westlichen Kulturkreis nicht üblich und weniger bekannt sind oder weitere „nicht normale“ Begrüßungsrituale, auszuprobieren.

Dauer

ca. 5 Minuten

Geeignet als

Warm-up Begrüßungsritual, Abschiedsritual

Reflexion: Woher kommen unterschiedliche Arten sich zu begrüßen und warum?

 

Andere Begrüßungsarten:

Indien: mit gefalteten Händen verbeugen

China: mit aufeinanderliegenden Händen verbeugen

Russland: Bruderkuss

Orient: „Salam“, mit der rechten Hand von der Stirn bis zum Nabel streichen

Eskimo: Nasen aneinander reiben

Haiti: überlanges Händeschütteln mit wiederholten Verbeugungen

Frankreich: auf die Wange küssen

Ägypten: Älteren/Höhergestellten die Hand küssen

Mexiko: Brust an Brust sich auf die Schulter klopfen

Japan: in Hockstellung mehrere Verbeugungen, Hände vor den Knien aneinanderlegen

Tibet: Zunge herausstrecken und pfeifend die Luft einziehen

Äthiopien: dargebotene Hand (nur) berühren

Begrüßungsrituale: Warum wir die Hände schütteln?

Für die einen alltäglich, für andere unerhört: Händeschütteln ist weltweit verbreitet – und manchen Glaubensrichtungen und Kulturen zuwider. Woher das Verhalten stammt und welche Bedeutung es hat, beschäftigt unterdessen auch Psychologen, Verhaltensforscher und Mediziner. Lennart Pyritz; Quelle: https://www.spektrum.de/news/begruessungsrituale-sind-kulturell-verschieden/1430344

Verabschiedungsrituale, analog Übung Begrüßungsrituale

o Alle erheben sich von ihren Stühlen

o Stufe 1:

Die Schüler*innen werden aufgefordert, sich im Raum zu bewegen und jede(n), der ihnen begegnet „normal“ zu verabschieden, so wie sie es gewohnt sind.

o Stufe 2:

Danach werden alle aufgefordert, Verabschiedungsrituale auszuprobieren, wie sie im westlichen Kulturkreis nicht üblich und weniger bekannt sind oder weitere „nicht normale“ Begrüßungsrituale auszuprobieren.

o Zum Verabschieden wurde die analoge Übung zum „Warm-up“ gewählt, um dem Ganzen einen Rahmen zu geben und um mit einem gemeinsam erlernten Ritual abzuschließen.

o Dauer ca. 5 Minuten

Wie kommst Du drauf? Zwei Wahrheiten - eine Lüge

Bei der Übung geht es darum, dafür zu sensibilisieren, dass Hypothesen über unsere Umwelt und über Menschen, von denen wir glauben, sie zu kennen, falsch sein können, und dass wir immer neues erfahren können über Menschen, von denen wir glauben, fast alles oder zumindest viel zu wissen.

Ablauf

Die/Der Spielleitende führt in die Thematik mit seiner eigenen Vorstellung ein. Er/Sie erzählt drei Fakten über sich, von denen eine wahr ist und zwei nicht zutreffen, also „gelogen“ sind, z.B.

o Ich habe 5 Söhne

o Ich war noch nie verheiratet

o Ich bin Lehrerin

Unterstellen wir in diesem Beispiel, dass „Lehrerin“ gelogen ist.

Erklärung: Ich lebe seit 20 Jahren mit meinem Partner zusammen, wir haben nie geheiratet. Mit uns leben vier Jungs aus früheren Beziehungen. Wir haben einen gemeinsamen Sohn. Ich bin Journalistin.

Es ist wichtig Fakten auszuwählen, die Vertrauen und Beziehung aufbauen. (Anmerkung der Redakteurin: Wenn die Übung mit anderen Gruppen durchgeführt wird, ist es ratsam, dieselben Fakten zu wählen. Bei der Darstellung wird man immer sicherer und wirkt so überzeugender.)

Die Jugendlichen werden gefragt, welcher Fakt stimmt. Nach Abfragen der „Faktenlage“ fordert der Teamleiter die Jugendlichen auf zu erklären, wie und warum sie zu ihrer Entscheidung gekommen sind. Danach löst er auf.

Dauer 15 Minuten

Geeignet als Warm-up

VISUELL

“Schüler*innenaustausch” mit Übungsbogen

Schüler*innenaustausch

Material: Übungsbögen in ausreichender Anzahl, Stifte, ein Übungsbogen DIN A3 ausgedruckt und Klebepunkte zum Visualisieren

genügend Platz für einen Stuhlkreis

Beschreibung:
Die Teilnehmenden sitzen im Stuhlkreis zusammen. Der/die Trainer*in moderiert die Übung wie folgt an: „Ich möchte euch zu einem internationalen Schüler*innen-Austausch nach Südfrankreich einladen. Ihr werdet dort in Zelten übernachten. Das besondere dabei ist: Ihr habt jetzt die Chance, euch eure Mitcamper*innen bereits jetzt auszusuchen. Dazu bedarf es ein wenig Phantasie. Ich habe Euch eine Liste, auf der Eigenschaften der Jugednlichen beschreiben sind, mitgebracht.“

Die Teilnehmer*innen finden sich zu dritt zusammen (Listen verteilen) und einigen sich auf drei Schüler*innen auf der Liste, mit denen sie gemeinsam, während des Austausches, in einem Zelt übernachten möchten, und welche drei sie lieber nicht in ihr Zelt aufnehmen wollen. Anschließend wird in Sechsergruppen diskutiert; danach einigen sich je zwei Dreiergruppen auf ein gemeinsames Ergebnis. Dies ist sinnvoll, damit sich die Kleingruppen untereinander austauschen. Wenn alle Sechsergruppen ihr Ergebnis haben, werden die Gesamtergebnisse am Flipchart, an der Tafel, an einer Moderationswand oder auf dem Boden in der Mitte des Stuhlkreises visualisiert. (DinA3-Bogen aufhängen/ auf den Boden legen, Klebepunkte verteilen)

Dauer 20 - 30 Minuten

Reflexion:

(Auswahl/Leitfragen)

· Ist euch die Entscheidung leicht oder schwer gefallen?

· Wenn ihr das Ergebnis anschaut, was fällt euch auf?

· Aufgrund welcher Kriterien habt ihr euch entschieden?

· Wie hat sich euer Ergebnis verändert, als ihr zu sechst entschieden habt?

· Wie konntet ihr euch einigen?

· Konntet ihr euch vorstellen, wie die Austauschschüler*innen aussehen?

· (Woher kommen diese Bilder?)

· (Woher kommen diese Vorurteile?)

· (Findet ihr Parallelen in Eurem Alltag?)

Dauer: ca. 20 Minuten

Nächste Stufe

Perspektivwechsel/Rollenwechsel

Haltung einnehmen und fühlen

· Könnt ihr euch vorstellen, wie sich der Mensch fühlt, der von den meisten ausgewählt wurde… und mit im Zelt übernachten darf?

· Könnt ihr euch vorstellen, wie sich der Mensch fühlt, den niemand im Zelt haben will?

· Frage in die Gruppe: Möchte jemand zeigen, wie der Mensch, mit dem die meisten im Zelt schlafen wollen, sich jetzt fühlt? (Haltung)

Stufe 1 Einführen des „Emotionskreises“

Plakat mit Emotionskreis z.B. auf den Boden legen

„Im Kreis  stehen Gefühle/ Emotionen. Wie  fühlt sich der Jugendliche, der mitgenommen wird (Person aus der Liste benennen)?“ Frage in die Runde. Die Person, die sich äußert wird eingeladen zu der Emotion im Kreis zu gehen und sich hinzustellen als empfände sie z.B. Freude. Die Person wird dann gebeten zu der Emotion zu gehen, die sie empfindet, wenn sie gerade erfährt, dass sie zu Hause bleiben muss. Der RC bittet sie auch hier die entsprechende Haltung anzunehmen. (z.B. „Wie siehst du denn aus, wenn du traurig bist?“) Die Person darf bis dahin  nicht sprechen. Dann: „Wenn du so stehst, fühlst du dich anders wie in der Situation davor?“

Der RC bittet alle Schülerinnen aufzustehen und auf seinen Hinweis hin, zuerst die eine, und beim nächsten Hinweis die andere Haltung einzunehmen, ohne dabei zu sprechen. Es ist dabei wichtig, die Schüler*innen in der Haltung eine  Zeit verharren zu lassen, so dass die Emotion bewusst empfunden werden kann.

Es geht darum über die eigenen Emotionen bei „Othering“  bzw. bei „Gemocht“ werden ins Gespräch zu kommen.

Redaktionelle Anmerkung: Ich schlage vor, wir lassen den Schüler*innen genug  Zeit, die Haltungen auszuprobieren und gehen zu Stufe 2, also dem wechselseitigen Übernehmen von Haltung und Emotion, um die Jugendlichen danach auch abzuholen, wo sie emotional stehen.

Anleitung durch Spielleiter, ggf. mitspielen oder selbst mit der Position einsteigen

 

Ziel: Veränderung erfahren, Spüren, wie fühle ich mich, wenn sich meine Position verändert.

Dauer: ca. 20 Minuten

 

Stufe 2 je nach Zeit, Interesse und Gruppendynamik (10 Minuten)

Jetzt ohne Emotionskreis, mit mehr Dynamik und mehr Raum 

Anleitung durch Spielleiter, ggf. Mitspielen oder selbst mit der Position einsteigen

Spielformat: Perspektivwechsel/Rollenwechsel
(modifizierte Quelle: Verband für interkulturelle Arbeit (VIA) Bayern (HRG.),  „Das Culturatorium“, Improvisationstheater für interkulturelle Praxis.)

 Ziel: Veränderung erfahren, Spüren wie fühle ich mich, wenn sich meine Position verändert.

Beschreibung:

o Der Anleitende beschreibt die Rolle des Jugendlichen, den die meisten im Zelt haben wollen (z.B. französischer Junge). Er nimmt dabei die Haltung passend zur Rolle an.

o Fragt, wer diese Haltung ausprobieren möchte, und unterstützt dabei die Person, diese Haltung anzunehmen.

o Die Person bleibt in der Haltung. Der Anleitende begibt sich in die Position des Jugendlichen, den niemand im Zelt haben will.

o Der Anleitende bleibt in seiner Position und bittet einen anderen TN, die Position des ersten TN zu übernehmen und bittet den ersten, seine Position zu übernehmen und verlässt diese Position, übernimmt die Rolle des Motivierenden.

o Der nächste TN aus dem Kreis klatscht ab, übernimmt die Haltung des Erwünschten, der andere, die des Unerwünschten, der ursprünglich „Erste“ geht raus.

o Die TN klatschen nacheinander den „Beliebten“ ab und übernehmen die Position der „unbeliebten“ Person.

o Alle dürfen mitmachen. Wichtig, dass die TN sich aus eigenen Stücken dazu entscheiden.

o Danach Abfrage: Wie ging es euch dabei?

Dauer: 40 Minuten

Spielformat: Perspektivwechsel/Rollenwechsel (modifizierte Quelle: Verband für interkulturelle Arbeit (VIA) Bayern (HRG.), „Das Culturatorium“, Improvisationstheater für interkulturelle Praxis.)

Stellt euch vor, ihr nehmt an einem internationalen Schüler*innen- Austausch in Südfrankreich teil. Ihr werdet dort in Zelten übernachten, gemeinsam kochen, euer Freizeitprogramm gestalten und könnt die jeweilige Kultur der anderen kennenlernen. Ihr habt die Chance, euch eure Mitcamper*innen anhand einer Liste schon jetzt auszusuchen!

Ein französischer Junge, der in Libyen geboren ist und jetzt mit seinen Eltern in Paris lebt.

 

 

Ein übergewichtiger, äußerst mathebegabter Junge von einem Bauernhof in der Schweiz.

 

 

Ein italienisches Mädchen, das vor einem Jahr aus Syrien nach Norditalien zugewandert ist.

 

 

Ein sehr intelligentes Mädchen aus Eritrea, das schon von klein auf arbeiten muss, damit die Familie über die Runden kommt.

 

 

Ein Junge aus Dänemark, dessen Vater HIV-positiv ist.

 

 

Ein Mädchen aus Albanien, deren Vater im Gefängnis ist.

 

 

Ein bayrischer Junge, der seit einem Fahrrad-Unfall im Rollstuhl sitzt, ist ein sehr guter Fortnite-Spieler.

 

 

Ein äußerst musikalisches Mädchen aus Österreich, das Akkordeon spielt.

 

 

Ein schwedischer Junge, dessen Eltern zwei schwule Männer sind.

 

 

Ein südafrikanischer dunkelhäutiger Junge, der in einem Gospel-Chor singt.

 

 

Ein Mädchen aus Polen, die ihr kleines Kind mitbringen muss.

 

 

Ein Mädchen aus Afghanistan, das eine Burka trägt.

 

 

Ein fußballbegabter Junge aus Ghana, der von niederländischen Scouts nach Holland ins Internat geholt worden ist.

 

 

Ein brasilianisches Mädchen, das in einer Blechhütte in Rio de Janeiro wohnt.

 

 

Ein Junge aus Russland, dessen Eltern so reich sind, dass er in einer Limousine vom Chauffeur zum Sommer-Camp gebracht wird.

 

 

Ein großer, kräftiger Junge aus Irland, der später mal Boxer werden will.

 

 

 

 

Übungsbogen, Kopiervorlage: Modifiziert nach (Quelle) Ein Handbuch für Multiplikator*innen; Spiel dich frei! …; S.36 – 37; Internationale Creative Commons Lizenz; https://www.streetfootballworld.org/sites/default/files/Handbuch%20Spiel%20dich%20frei%21.pdf

Hintergrundinformationen

Was ist ein Emotionskreis?

Die Theorie von Plutchik: Rad der Emotionen

Robert Plutchik (* 21. Oktober 1927 in Brooklyn; † 29. April 2006 in Sarasota) war ein US-amerikanischer Psychologe. Seine Schwerpunkte waren die Erforschung von Emotionen, Suiziden, Gewalt und der Psychotherapie.

Plutchik entwickelte seine "psychoevolutionäre" Emotionstheorie  schrittweise zwischen 1958 und 1994. Diese nimmt an, dass Emotionen eine genetische Grundlage haben und die Anpassung von Verhalten steuern. Er benennt acht Basisemotionen,  und fasste sie in emotionstheoretische Modelle zusammen: der dreidimensionale Kegel (cone-shaped model) und das zweidimensionale Rad (wheel of emotions) mit demselben Inhalt, jedoch als Draufsicht auf den zerlegten Kegel.

Seine wichtigsten Überlegungen:

  1. Emotionen haben eine genetische Grundlage.

Acht primäre Emotionen beruhen auf Mechanismen, die im Laufe der Evolution zur Bewältigung von grundlegenden Anpassungsproblemen (Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Schutz vor Feinden etc.) entstanden sind. "Mechanismen" sind hier automatisch ablaufende "Programme" , die auf bestimmte Reize bestimmte Reaktionen erfolgen lassen:

  • Emotionen sind grundlegende Formen der Anpassung und kommen allen Organismen vor.

  • Emotionen sind komplexe Ketten von Reaktionen mit stabilisierenden Rückmeldeschleifen, die eine gewisse Art von Homöostase des Verhaltens herstellen.

  • Die acht Emotionen lassen sich kreisförmig  anordnen und sind aufgrund ihrer Intensität abstufbar.

  • Ähnliche Emotionen sind benachbart. Gegenüberliegende Emotionen sind konträr. So ergeben sich die Gegensatzpaare Freude – Traurigkeit, Erwartung – Überraschung, Abneigung – Vertrauen, Groll – Angst. Alle anderen Emotionen sind Kombinationen der Primäremotionen, hier ergeben sich primäre Dyaden und sekundäre Dyaden. Das bedeutet: ähnliche Emotionen mischen sich genauso wie unähnliche, nicht direkt benachbarte Emotionen.

  • Alle anderen Emotionen sind Kombinationen gleichzeitig auftretender primärer Emotionen

Das gleichzeitige Auftreten erfolgt dann, wenn die kognitive Einschätzung nicht eindeutig ist, sich also mehrere Primäremotionen anbieten. Je unähnlicher sich die beteiligten Emotionen sind, desto größer ist der Konflikt zwischen den beiden. Mischen sich zwei benachbarte Emotionen, so entstehen primäre Dyaden. So entsteht z.B. aus den Kognitionen für "Ärger" und "Verachtung" die Emotion Verachtung" (primäre Dyade).
Sind die Emotionen nicht direkt benachbart, entstehen sekundäre bzw. tertiäre Dyaden. Sind die Emotionen völlig entgegengesetzt, so resultiert eine Hemmung bzw. "Immobilisierung des Handelns". Mischen sich drei Emotionen, entstehen Triaden.

Plutchiks Theorie fehlt jedoch eine valide empirische Grundlage,  insbesondere für die Annahme von primären Emotionen :

„Die  erste  gezielte   Überprüfung   der  „Mischtheorie“   der  Sekundäremotionen  wurde   von Plutchik  durchgeführt  (Plutchik,  1962;  s. auch Plutchik, 1980a):  Es    wurden  in  dieser  Studie allerdings nicht erlebte Gefühle untersucht, sondern es wurden nur die Meinungen der 34 Vpn zwischen  den  primären und  sekundären Emotionen  erhoben.  Den  Vpn  wurde  eine  Liste  mit Sekundäremotionen vorgelegt und sie wurden gebeten, „welche 2 oder 3 der Primäremotionen Komponenten seien“. Die Ergebnisse der Studie von Plutchik  wurden nie  im Detail  berichtet, er   präsentierte   jedoch   eine   Liste,   derjenigen   Sekundäremotionen,   für   die   bestimmte Primäremotionen   relativ   „am   häufigsten“   waren.      Daraus   ergibt   sich,   dass   für   die Primärdyaden,   am   häufigsten   die   zwei   in   seinem   Kreismodell   jeweils   unmittelbar benachbarten Primäremotionen genannt wurden. Bei nährerer Betrachtung stellen die Befunde von  Plutchik,  aber  kein  überzeugendes  Ergebnis  dar.  Erstens.  Plutchik  verwendet  in  der Angabe keine Häufigkeiten, und man kann daher nicht darauf schließen, was „am häufigsten“ überhaupt  darstellt.  Denn es  könnte  ja  z.  B. bedeuten,  dass  23  % der  Vpn  dies angaben,  und nicht  mehr.  Zweitens  wurde  zwischen  den  Sekundäremotionen  keinerlei  Übereinstimmung zwischen  den  Angaben  der  Vpn  gefunden.  Drittens  wurden  dieselben  Kombinationen  von Primäremotionen zum Teil  bei  verschiedenen  Sekundäremotionen gefunden. Auch  wenn  alle Kombinationen   von   Primäremotionen   richtigen   den   dazu passenden   Sekundäremotionen zugeteilt  worden  wären,  könnte  dann  dieser  Befund  nur  erklären,  dass  zum  Beispiel  in Situationen  in  denen  Liebe  erlebt  wird,  bestimmte  andere  Emotionen  wie  Akzeptieren  und Freude ebenfalls beständig auftreten.“ https://homepage.univie.ac.at/michael.trimmel/motivation_ss2002/DieEmotionstheorievonRobertPlutchik.pdf. S.7

 

Warum haben wir den Emotionskreis eingeführt?

Wir erleben oft, dass die Schüler*innen und auch die Anleiter*innen sehr „verkopft“ an das Arbeiten mit Emotionen herangehen. Unser Ziel ist jedoch, dass die Jugendlichen spüren und erfahren können wie sich die/ der Andere in der Situation mit der Information, die sie/er gerade erhalten hat fühlt. Unsere Frage war: „Wie schaffen wir es die Jugendlichen im engen Zeitrahmen eines 90 Minuten Workshops vom Kopf über das Empfinden zum Handeln zu bringen, danach ihre Emotionen zu benennen und die Situation zu reflektieren?“. Die oben zitierte Kritik von Trimmel motivierte uns Plutchiks Idee in modifizierter Form umzusetzen. Auf Gründen der Übersichtlichkeit, besonders weil sechs Begriffe schneller als acht verarbeitet werden, haben wir uns beim Emotionskreis auf fünf Emotionen beschränkt. Zum Abbilden der restlichen Emotionen, sowie aller „Mischemotionen“ , haben wir die Kategorie „Anders“ eingeführt, damit sich alle emotional im Kreis wieder finden und auch zuordnen können.  

Erfahrungen

Das Modul wurde gemeinsam mit den Respekt Coaches an der Zielstattschule in München, der Luitpoldschule in Amberg und der Albercht-Schnitter-Schule in Herzogsägmühle durchgeführt.

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Der Methodenkoffer wird von der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern e.V. im Rahmen des Projektes "Alles Glaubenssache? - Prävention und politische Bildung in einer Gesellschaft der Diversität“ der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) entwickelt.