Heimat

Inhaltsverzeichnis

Einführung

„Die Begriffe ‚Heimat‘ und ‚Fremdheit‘ lösen bei jedem Menschen unterschiedliche Assoziationen und Gefühle aus. Nicht zuletzt im Kontext von Migration und Globalisierung ist die Auseinandersetzung mit den Voraussetzungen dafür, sich heimisch zu fühlen, ein wesentlicher Baustein, um sozialen Entfremdungsprozessen entgegenzuwirken. In der Gruppe zu reflektieren, welche Begriffe von Heimat die Jugendlichen haben, wo es dabei Gemeinsamkeiten oder Unterschiede gibt, ist ein erster Schritt. In der Regel wird sich wohl zeigen, dass es einige Ideen von ‚Heimat‘ gibt, auf die sich die meisten Menschen einigen können. Es kann auch überlegt werden, welche Bilder von Heimat in der Lage sind, auch andere Menschen, die in eine Gemeinschaft hinzukommen, zu inkludieren, und welche eher exklusiv wirken. Die Frage ist, welchen Aspekt die Gruppe betonen bzw. leben möchte?“ (Jamal al Kahib, Mein Weg, S. 18)

Grundlagen

Der Heimatsbegriff

Der Begriff Heimat weist vier Dimensionen auf

  1. eine räumliche Dimension

  2. eine Zeit-Dimension

  3. eine soziale Dimension und

  4. eine kulturelle Dimension

(Gerhard Handschuh: Brauchtum – Zwischen Veränderung und Tradition. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Heimat. Bonn. 1990, S. 635)

Alternative Definition

Heimat wurde und wird bis zur Unkenntlichkeit verklärt und verkitscht, von den unterschiedlichsten Ideologien stilisiert, benutzt und missbraucht. Mythologisch aufgeladene, sentimentale Erinnerung gehört ebenso zum Begriffsfeld Heimat wie banale geografische Ortsbestimmung.
Das, was mit Heimat gemeint ist, schwingt zwischen intim Persönlichem und Weltpolitik, ist Anspruch auf Zugehörigkeit wie Fluchtpunkt und Anlass zum Aufbruch. Heimat ist Projektionsfläche der unterschiedlichsten Sehnsüchte – vor allem der nach einer heilen Welt; sie kann Geborgenheit vermitteln, aber auch als Gefängnis empfunden werden, ist Antrieb zur Bewahrung des Überlieferten wie Triebkraft zur Veränderung. Manch einer gerät in Sonntagsstimmung, wenn er dem Begriff Heimat begegnet, andere würden ihn am liebsten zur Ablage an ein historisches Wörterbuch verweisen. Während die einen an der Enge der Heimat leiden, kranken die anderen am Verlust derselben, werden heimwehkrank. Heimat ist ein vielschichtiger Begriff. Er provoziert nicht nur die Gefahr von Missverständnissen, sondern gibt auch die Chance der Vermittlung zwischen sehr verschiedenartigen Positionen. Heimat ist nichts, das sich konsumieren lässt. (https://www.derblauereiter.de/journal/journal/ausgaben/21-30/heimat/inhalt/)

 

Synonyme zu Heimat

Gesamtziel

Es geht darum, sich bewusst zu machen, wie sich z.B. Jugendliche eines anderen Glaubens/einer anderen Religion/einer anderen Kultur, in unserer Gesellschaft fühlen können, und wahrzunehmen, was es für Gemeinsamkeiten gibt, auf denen man aufbauen, an denen man ansetzen kann.

Methoden

SZENISCH/ SPIELERISCH

Improvisationstheater
Übung “Ein Seil - zwei Enden?”

Ziel

Gemeinsamkeiten wahrnehmen

Planung

  • 2 Fixpunkte im Raum festlegen

    • ein Seil oder ähnliches spannen, zur Orientierung, um den Raum aufzuteilen

Umsetzung

  • Jede(r) ordnet sich ein.

„Ihr seht hier ein Seil. Das ist eine Linie. Hier stimme ich voll zu. Da stimme ich gar nicht zu … Bitte stellt euch einfach dorthin, wo für euch die passendste Antwort passt. Es gibt kein richtig oder falsch und auch kein gut oder schlecht.“

  • Endpunkte definieren mit folgenden Aussagen:

    • Heimat ist dort, wo man geboren ist. (ja/nein)

    • Heimat ist dort, wo meine Familie lebt. (ja/ nein)

    • Heimat ist kein Ort, es ist ein Gefühl, ein Gefühl von Schmecken, Fühlen, Riechen, von Situationen, von Gedanken und Erinnerungen. (ja/nein)

    • Heimat - bleibt immer die Gleiche. (ja/ nein)

    • Es gibt mehrere “Heimaten”. (ja/ nein)

    • Es dauert lange, bis man “heimisch” wird. (ja/ nein)

Dauer

ca. 10 Minuten

Geeignet als

Warm-up, Begrüßungsritual

Reflexion

Warum habe ich mich genau hier hin gestellt? Kann bei jeder Aussage abgefragt werden. Frage der Spielleitung: Was fällt euch auf?

 

VISUELL

Videos / Filme /Bewegte Bilder / Illustrationen / Kreativtechniken
“Jamal al Kathib” Videoinput

Video-Input

Beachten: im Projekt „Jamal al Kathib“ gibt es insgesamt vier Teile. Um das Thema „Heimat“ zu bearbeiten eignen sich Teile 1 und Teile 2. Die Teile 3 und 4 befassen sich mit der Entscheidung Jamals, in den Dschihad zu gehen. Sie lenken den Fokus auf eine andere Thematik.

Ziel

Nachdenken über die Situation von jungen Menschen jenseits der Mehrheitsgesellschaft, auch über Geflüchtete.

Video 1: Jamal_al_Kathib
https://www.youtube.com/watch?v=Hay8UKHLywM
Dauer: 02:05 Minuten

Video 2: Heimat
https://www.youtube.com/watch?v=sJkBZRn82kY
Dauer: 5:06 Minuten

Dauer beide Videos: ca. 10 Minuten

Nach dem Ansehen Folgendes kurz ansprechen (nur Leitfaden für Moderatoren):

  • Wie hat euch das Video gefallen?

  • Was gefällt euch gut, was gefällt euch nicht?

  • Gibt es Menschen aus eurem Umfeld, die euch einfallen, wenn ihr dieses Video seht?

  • Kennt ihr jemanden, der in einer ähnlichen Situation wie Jamal war und seine Heimat wegen Krieg verlassen musste?

Dauer: 5-10 Minuten

“Verstehst du Jamal?” Plakat erstellen

Material: Papier, Stifte, Klebstoff, Zeitschriften zum Kollagen ausschneiden, Foto von Jamal in der Mitte

Gruppe in Kleingruppen zu 4-6 Personen aufteilen

Folgende Aufgabenstellung in Gruppenarbeit verteilen (auf DIN A4 ausdrucken):
Überlegt euch Antworten zu folgenden Fragen, in dem ihr gemeinsam in der Gruppe ein Plakat erstellt. Ihr dürft malen, ausschneiden kleben, nicht schreiben (nicht mehr als drei Wörter)!“

Variante 1

  • Was ist Heimat für dich?

  • Was bedeutet für dich Ausgrenzung? Wann fühlst du dich ausgegrenzt?

Variante 2

  • Was bedeutet für dich Sicherheit? Wann fühlst du dich sicher?

  • Was bedeutet Angst für dich? Wann hast du Angst?

Variante 3

  • Verstehst du Jamal?

  • Was ist bei Jamal anders als bei dir, was ist gleich?

Variante 4

  • Was ist für dich Glaube, was/ wie glaubst du?

  • Was macht dein Glaube mit dir, welche Konsequenz hat er für dich?

Anmerkung: Je nach Dynmaik der Gruppe und aktuellen Anlässen können die Fragestellungen zusammengeführt werden.

Dauer

mindestens 30 Minuten unabhängig von der Variante

Reflexion

Jede Gruppe stellt ihr Plakat vor und teilt Erfahrungen, Gefühle, Interesse usw. mit. Je nach Situation können auch Varianten der Fragestellungen in der Reflexionsphase behandelt werden.

Dauer

15 – 20 Minuten

Erfahrungen, Gefahren, Hürden, Fettnäpfchen

Zeit lassen, wenn Redebedarf besteht, ggf. auf Basis der Plakate zu einem späteren Zeitpunkt weiter bearbeiten.

 

Hintergrundinformationen

  • Stephan Bundschuh/Ansgar Drücker/Birgit Jagusch (Hg.): Islamfeindlichkeit — Aspekte, Stimmen, Gegenstrategien. IDA e. V., Düsseldorf 2012

  • turn – Verein für Gewalt- und Extremismusprävention (Hg.): DAS PÄDAGOGISCHE PAKET ZUM ONLINE - STREETWORK – PROJEKT Jamal al Kathib, Mein Weg, 2018. Wien. ZVR-Zahl: 552581527

  • Bayrischer Bezirkstag: VOM WERT DER HEIMAT –IM GLEICHGEWICHT ZWISCHEN EINHEIT UND VIELFALT, POSITIONSPAPIER DER VOLLVERSAMMLUNG 2019
    https://www.bay-bezirke.de/data/pdf/positionspapier-heimat_vvs-2019.pdf

  • Susanne Schührer: Türkeistämmige Personen in Deutschland; Erkenntnisse aus der Repräsentativuntersuchung: „Ausgewählte Migrantengruppen in Deutschland 2015“ (RAM); in: Working Paper 81, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hg,) 2018.

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Der Methodenkoffer wird von der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern e.V. im Rahmen des Projektes "Alles Glaubenssache?“ der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) entwickelt.