Glücksspiel

Der Inhalt dieser Seite wurde von Daniel Ensslen, Referent zur Prävention gegen Glücksspielsucht bei der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern, zur Verfügung gestellt.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Glücksspiele sind „In“ und werden effektiv von Vorbildern aus Sport und Unterhaltung beworben. Spielhallen und Sportwettbüros sind allgegenwärtig und das Internet lockt zu virtuellen Casinos. Von diesen Angeboten fühlen sich auch Jugendliche angesprochen. Sie erhoffen sich Geldgewinne, Spannung und Zerstreuung. Glücksspiele unterhalten aber nicht nur, sondern bergen neben dem Risiko, Geld zu verlieren, auch ein erhebliches Suchtpotential. Oft ist dies Jugendlichen nicht bewusst.

Bezogen auf Deutschland weist die Mehrheit aller Jugendlichen Erfahrungen mit Glücksspielen auf. Angaben zur Lebenszeitprävalenz bewegen sich zwischen 62% und 82%. Gerade im Jugendalter besteht die Gefahr, zumindest zeitweise die Kontrolle über das Spielverhalten zu verlieren. 6% aller Jugendlichen sind von glücksspielbezogenen Belastungen betroffen. Dabei liegt der Anteil der Problemspieler/innen zwischen 1,3% und 3%. Besonders gefährdete Personen bezüglich glücksspielassoziierter Probleme sind männlich, unter 25 Jahren, haben einen niedrigen Bildungsstatus, sind erwerbslos und haben einen Migrationshintergrund.

Grundsätzlich ist die Teilnahme an Glücksspielen für Minderjährige verboten. Da diese gesetzlichen Regelungen offensichtlich umgangen werden, sind der erzieherische Jugendschutz und präventive Maßnahmen von umso größerer Bedeutung, um negativen Entwicklungen vorzubeugen. Hierbei gilt es in erster Linie, Heranwachsende frühzeitig zu befähigen, sich mit den potentiellen Gefahren des Glücksspiels auseinanderzusetzen, um der Entstehung problematischer Verhaltensmuster entgegenzuwirken. Hierfür steht eine Vielzahl von Informationsmaterialien und methodischen Ansätzen zur Verfügung. Einige sollen im Weiteren zugänglich gemacht werden. Hierbei dürfen diese auch gerne als Anregung betrachtet und entsprechend den jeweiligen Umständen modifiziert oder nur partiell genutzt werden. Wesentlich bleibt immer die Aufmerksamkeit, Offenheit und Sensibilität der jeweiligen Fachkräfte im Kontakt mit den ihnen anvertrauten Jugendlichen.

Grundlagen

Im Bewusstsein, dass allein Regelungen und Verbote nicht alle unerwünschten Verhaltensweisen von Bürgerinnen und Bürgern aus der Welt schaffen können, hat der Gesetzgeber im § 14 des Sozialgesetzbuches VIII (§ 14 SGB VIII) formuliert, dass jungen Menschen und Erziehungsberechtigten Angebote gemacht werden sollen, die diese befähigen, sich selber oder ihre Schutzbefohlenen vor gefährdenden Einflüssen zu schützen. Hierbei werden Kritikfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie die Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen explizit als Ziele genannt.

Gesamtziel

Sensibilisierung für die Gefahren von Glücksspielen

Methoden incl. Praxistipps

(SOZIAL-)RÄUMLICH

Computerspiel
Spielfieber 3.0 - Der Coundtdown läuft

Pädagogisches Ziel

Spielfieber 3.0 dient der Prävention von Glücksspielsucht. Spielerisch erfahren die Jugendlichen die Reize und Risiken des Glücksspiels. Es ist für Jugendliche und für die Arbeit mit Jugendlichen konzipiert. Spielen und spielen lassen … und dabei spielerisch lernen. Spielen macht Spaß. Allerdings bergen Glücksspiele neben dem Risiko, Geld zu verlieren, auch ein erhebliches Suchtpotential. Es eignet sich zum Einstieg ins Thema.

Zielgruppe(n)

„Spielfieber“ ist eine geschlechtsspezifische Methode für 14 - 18 jährige Jungen. Ein hoher Bildungsstand wird nicht vorausgesetzt. Diese Empfehlungen sind Richtwerte und können je nach Gruppe abweichen. Gerade wenn Glücksspiele bereits ein Thema sind, eignet sich das Spiel auch für Jüngere oder Ältere. Interessierte Mädchen sind herzlich willkommen. Mädchenspezifische Attribute zu Glückspielsuchtverhalten sind nicht berücksichtigt.

Zeitlicher Rahmen

ca. 45 bis 90 Minuten

Beschreibung

“Glücksspiele: Wetten, Poker, Roulette und Geldspielautomaten – das ist deine Welt. Doch der Sportwetten-König Hengst will seine Kohle und deine Freundin Jenny ist mit der Zockerei gar nicht glücklich. Die Zeit läuft, der Druck steigt. Willst du nicht nur überleben, sondern richtig punkten, heißt es cool bleiben und cool handeln. Nimmst du die Herausforderung an?” Nach dem Download kann sofort mit dem Spielen begonnen werden.

Download zum Spiel: https://www.spielfieber.net/spielen/

Nachdem alle Schüler*innen das Spiel gespielt haben, sollten 15 bis 30 Minuten Zeit zur Diskussion über das Spiel eingeplant werden.

Notwendige Medien/Material

Ausreichend großer Raum mit entsprechender technischer Ausstattung
PC, iOs (iPhone/iPad) oder Android
Weitere Informationen unter: https://www.spielfieber.net/

Erfahrungen
siehe: https://www.spielfieber.net/evaluation/

Ansprechpartner
Daniel Ensslen

VISUELL

Kreativtechnik
Wettkönig - Glückpilz

Pädagogisches Ziel

Glücksspiel zum Thema machen, die Wahrnehmung für Glückssiel schärfen

Zielgruppe(n)

Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, bevorzugt in der offenen Jugendarbeit

Zeitlicher Rahmen

ist abhängig von der Situaiton, in der sich die Jugendlichen treffen und wie sich die Gruppe zusammensetzt sowie der Größe der Gruppe

Beschreibung

Die Plakate werden im Jugendtreff oder in der Schule, z.B. in den Räumen des offenen Ganztags aufgehängt (öffentlich, für die Jugendlichen gut sichtbar, im vertrauten Raum), um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf das Thema Glücksspielsucht zu lenken, um sie dafür zu sensibilisieren. Mit dieser Absicht können auch die Karten deponiert werden. Ziel ist die Jugendlichen persönlich anzusprechen, wenn sie sich für das Material interessieren und ggf. auch mit Hilfe des Materials in „Glücksspiel – Glückspielsucht“ didaktisch einzusteigen. Ideen zum Einstieg stehen unter den Abbildungen der Karten

Notwendige Medien/ Material

DIN A3-Plakate:

Wettkönig: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/jugendliche/plakatmotiv-2-wettkoenig.html

 

Glückspilz: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/jugendliche/plakatmotiv-1-glueckspilz.html

 

Karten:

Zeig´s dir selbst: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/jugendliche/karte-1-zeigs-dir-selbst.html

 

Ob Lotto, Poker, Automaten oder Sportwetten: bei Glücksspielen zu gewinnen oder zu verlieren, hängt vom Glück oder vom Pech ab. Ob du was drauf hast, kannst du dir in anderen Bereichen beweisen: bei Freundschaften, Schule, Arbeit, Liebe, Sport oder ... Wo kannst du etwas durch Können, Geschicklichkeit oder Köpfchen erreichen?

Zeig´s den Anbietern: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/jugendliche/karte-2-zeigs-den-anbietern.html

 

Beim Glücksspiel gewinnt immer der Anbieter! Niemand würde Lottoscheine verkaufen, Geldspielautomaten aufstellen, Sportwetten anbieten und Internetseiten zum Zocken bereitstellen, wenn er damit nicht Geld verdienen würde. Der Gewinn der Glücksspielindustrie ist der vorprogrammierte Verlust der Spieler und Spielerinnen. Und die Anbieter verdienen Milliarden allein in Deutschland. Selbst wenn du als Minderjähriger mal gewinnst, kann es sein, dass du nicht ausgezahlt wirst. Das Spielen für Jugendliche ist nämlich illegal.

Zeig´s deinen Freunden: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/jugendliche/karte-3-zeigs-deinen-freunden.html

 

Liebe/r .............., ich mache mir Sorgen wegen deiner Zockerei. Kann es sein, dass du viel zu oft an Glücksspiele denkst und deinen Freundeskreis oder Familie vernachlässigst? Kann es sein, dass du mehr als beabsichtigt spielst oder versuchst, verlorenes Geld wieder reinzuspielen? Dann solltest du etwas ändern. Hilfe findest du anonym und kostenlos unter: www.verspiel-nicht-dein-leben.de. Geld kann ich dir keins leihen, aber als Freund kannst du immer auf mich zählen, Dein/e .....................

Zeig´s Hengst: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/jugendliche/karte-4-zeigs-hengst.html

 



Ansprechpartner
Daniel Ensslen

(SOZIAL-)RÄUMLICH

Raum und Zeit
Alternative 1: Voller Einsatz - Damit Sport nicht zum Glücksspiel wird - Spielsuchtprävention im Sportverein

Pädagogisches Ziel

  • sensibilisiert Jugendliche für die Suchtgefahren von Glücksspielen 

  • fördert die Entwicklung einer kritischen Haltung gegenüber Glücksspielen 

  • vermittelt Informationen zu Glücksspiel, Sportwetten und Spielmanipulation

  • fördert die Auseinandersetzung mit eigenen Werten im Sport

Zielgruppe(n)

6 - 15 Jugendliche/junge Erwachsene im Alter von 15 bis 21 Jahren aus dem Sportverein

Zeitlicher Rahmen

  • Je nach Anzahl der Teilnehmenden 60 - 90 Minuten

  • Plus gemeinsames Pizza essen

Beschreibung

Der komplette Workshop mit allen detaillierten Beschreibungen und Hintergrundinformationen:
https://voller-einsatz.info/voller-einsatz/workshop.php

Notwendige Medien/ Material

Vorgefertigte Materialien

Alle hier aufgeführten Materialien können bei Bedarf bei der aj (siehe Materialien) kostenfrei bestellt werden. In der Klammer hinter dem jeweiligen Material finden Sie die für eine Veranstaltung benötigte Anzahl. Es können sowohl einzelne Materialien als auch ein Gesamtset für 15 Teilnehmende bestellt werden.

  • Informationen für die Homepage (1)

  • Informationsbrief (Anzahl der Teilnehmenden)

  • Ankündigungsplakat (1-3)

  • Übersicht über den Ablauf des Workshops (1, wiederverwendbar) 

  • Plakate (1 Set = 4 verschiedene Plakate, wiederverwendbar)

  • Fragekärtchen Teamspieler (1 Set, wiederverwendbar)

  • Bildkarten (1 Set, wiederverwendbar)

  • Wettvorlage (Anzahl der Teilnehmenden)

  • Papierpizzaviertel (mindestens Anzahl der Teilnehmenden mal vier, wiederverwendbar)

  • Papierpizzaviertel Buchmacher (mindestens Anzahl der Teilnehmenden mal vier, wiederverwendbar)

  • Kugelschreiber (Anzahl der Teilnehmenden)

  • Handouts Jugendliche (Anzahl der Teilnehmenden)

  • Quiz (Anzahl der Teilnehmenden)

  • Quiz Lösung (1, wiederverwendbar)

  • Braincheckermedaille (1)

  • Fälle (1 Set, wiederverwendbar)

  • Laufzettel (Anzahl der Teilnehmenden)

  • Wertekarten (1 Set, wiederverwendbar)

Weitere benötigte Materialien

  • Klebeband und Abroller (um die Plakate aufzuhängen, brauchen Sie ein starkes Klebeband, um den Teilnehmenden Klebebandstückchen zuzureichen, ist ein stabiler „Abroller“ von großem Vorteil)
    oder

  • Pinnnadeln (falls Sie die Möglichkeit haben, die Plakate und die jeweiligen Kärtchen anzupinnen)

Erfahrungen

Aus der Pilotphase gibt es schon einige Ergebnisse. Ende des Jahres 2016 fanden Pilotveranstaltungen des Workshops durch den Referenten für Prävention gegen Glücksspielsucht der aj in vier verschiedenen Sportvereinen statt. Es waren vornehmlich Schüler der Mittelschule und Realschule anwesend, gefolgt von Schülern aus dem Gymnasium und anderen Schulen. Wenige Teilnehmer waren in der Berufsausbildung. Diese wurden bereits im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes durch das Institut für Therapieforschung (IFT) evaluiert.

Ansprechpartner
Daniel Ensslen

Alternative 2
Hans im Glück - Unterrichtseinheit zur Prävention von Glücksspielsucht

Pädagogisches Ziel

Die Schüler, Schülerinnen

  • erhalten Informationen über Glücksspiele

  • kennen mögliche Suchtgefahr und negative Auswirkungen von Glücksspielen

  • erleben die Diskrepanz zwischen problematischem Glücksspielverhalten und dem Erreichen von Lebenszielen

  • reflektieren ihr Nutzungsverhalten von und ihre Einstellung zu Glücksspielen

Die durchführende pädagogische Fachkraft erhöht ihre Sensibilität für das Glücksspielverhalten von Jugendlichen allgemein und speziell der beteiligten Schüler und Schülerinnen.

Zielgruppe(n)

Jugendliche im Alter von 13 - 21 Jahren in Mittel-, Real- und Berufsschulen, 15 - 30 Schüler*innen im Klassenverband

Zeitlicher Rahmen

90 Minuten

Beschreibung

Unterrichtseinheit zur Prävention von Glücksspielsucht: Materialien zur Vorbereitung einer Doppelstunde für die Klassenstufen 8, 9 und 10 in Mittel-, Real- und Berufsschule mit Ablauf, didaktischen Hinweisen, Kopiervorlagen und Hintergrundinformationen

Der komplette Workshop mit allen detaillierten Beschreibungen und Hintergrundinformationen: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/fachkraefte/hans-im-glueck-unterrichtseinheit-zur-praevention-von-gluecksspielsucht.html

oder

Notwendige Medien/Material

  • Ablauf der Unterrichtseinheit

  • Textbausteine

  • Schild „Träume von Hans“ ausdrucken

  • Schild „Träume von Lisa“ ausdrucken

  • Handouts ausdrucken (der Anzahl der Schüler und Schülerinnen entsprechend)

  • Fragebögen ausdrucken (der Anzahl der Schüler und Schülerinnen entsprechend)

  • blaue Moderationskarten (oder DIN A5 Blätter)

  • rosafarbene Moderationskarten (oder DIN A5 Blätter)

  • Klebeband

  • eine Tafel oder ein Overheadprojektor

Ansprechpartner
Daniel Ensslen

Alternative 3
Wenn-ich-Karten zum Thema Glücksspielsucht

Pädagogisches Ziel

Im Gruppenkontext setzen sich Jugendliche spielerisch mit Fragestellungen zu Gefühlen, Geld, Risiko, Zukunft, Spielen, Freundschaft und Familie, zu Glücksspielen und zu problematischen Formen des Glücksspiels auseinander.

Zielgruppe

Jugendliche ab 14 Jahren, 5 bis 30 Teilnehmende

Beschreibung/Material

Diese interaktive Methode ist gut für den Einsatz in Schule, Jugendhilfe und Jugendarbeit geeignet. Im Gruppenkontext setzen sie sich spielerisch mit Fragestellungen zu Gefühlen, Geld, Risiko, Zukunft, Spielen, Freundschaft und Familie, zu Glücksspielen und zu problematischen und pathologischen Formen des Glücksspiels auseinander. In der Spielanleitung werden pädagogische Ansätze und Perspektiven vermittelt. Wichtige und aktuelle Hintergründe zum Glücksspiel werden in kompakter, verständlicher Form dargestellt. Die Themen Sportwetten, Automatenspiel und Glücksspiele im Internet werden in der neuen, vollständig überarbeiteten und erweiterten Ausgabe dezidiert in den Focus genommen. Adressen, Links und empfohlene Materialien ermöglichen der Spielleitung eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema. https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/fachkraefte/aj-praxis-wenn-ich-karten-zum-thema-gluecksspielsucht.html

 

Ansprechpartner
Daniel Ensslen

Hintergrundinformationen

Weitere Arbeitshilfen und Broschüren

o    Broschüre “Ihr Einsatz bitte! - Prävention von Glücksspielsucht” - Hintergründe und Methoden für die Arbeit mit Jugendlichen
Diese Broschüre wendet sich an pädagogische Fachkräfte aus Schule, Jugendarbeit und Jugendhilfe. Sie liefert Hintergründe, informiert und gibt Anregungen. Mit erprobten und praxisorientierten Methoden bietet sie Handlungsansätze, um das Thema Glücksspiel mit Jugendlichen zu thematisieren, diese zu sensibilisieren und sie in ihren Kompetenzen zu stärken. Zahlreiche literarische Zitate beleuchten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln.

o    proJugend 1/11 - Spielteilnahme erst ab 18? - Glücksspiel bei Jugendlichen: ein neues Feld der Prävention
In dieser Ausgabe der proJugend werden Rahmenbedingungen, das Phänomen "Jugend und Glücksspiel" sowie die Notwendigkeit suchtpräventiver Maßnahmen in diesem Bereich diskutiert. Neben einer kulturhistorischen Betrachtung des Glücksspiels, veranschaulichen Praxisbeiträge beispielhaft verhaltens- und verhältnispräventive Handlungsansätze.

o    proJugend 4/13 - Casino Internet - Jugendliche und Glücksspiele im Netz
Die Ausgabe 4/13 der proJugend behandelt das in rasender Geschwindigkeit wachsende Phänomen "Glücksspiele im Internet" und dessen Relevanz für die Arbeit mit Jugendlichen.

o    proJugend 3/16 - "Wetten?!" - Sportwetten und Jugendliche
Diese Ausgabe der proJugend macht auf ein oft nicht wahrgenommenes Phänomen aufmerksam: die zunehmende Teilnahme von Jugendlichen an Sportwetten. Sie informiert über die Rahmenbedingungen und stellt verschiedene Präventionsmaßnahmen vor.

siehe auch: https://projugend.jugendschutz.de/

o    Glücksspielen - Suchtrisiko bei jungen Migranten
Arbeitshilfe für Fachkräfte

o    Wenn Glücksspielen zum Problem wird
Broschüre für hilfesuchende Migranten/Geflüchtete in deutsch, türkisch, arabisch

o    Glücksspiele sind riskant
Broschüre in Leichter Sprache

siehe auch: www.dhs.de/informationsmaterial/broschueren-und-faltblaetter.html

o    Glücksspiel zum Thema machen
Informationen für die Jugendarbeit. Dieser Flyer möchte päd. Fachkräfte auf das brisante Thema Glücksspiele und Jugendliche aufmerksam machen. Es werden Informationen, Präventionskonzept und -materialien vorgestellt.

siehe auch: https://materialien.aj-bayern.de/gluecksspielsucht/

o    Verzockt
Informationen zur Spielsucht für Jugendliche in Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Russisch und Türkisch

o    Wetten, du gibst alles?
Broschüre mit Informationen zum Thema Sportwetten in Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch und Russisch

o    Wetten, du gibst alles?
Flyer mit Informationen zum Thema Sportwetten in Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch und Russisch

siehe auch: www.bzga.de/infomaterialien/suchtvorbeugung/gluecksspielsucht

o    Von der Suche nach Glück zur Glücksspielsucht
Lehr-Dokumentarfilm + Begleitmaterial zum Thema Prävention von Glücksspielsucht

o    aj für Eltern: Spielen - Wetten - Zocken
Glücksspiele bei Kindern und Jugendlichen, Elternbroschüren in Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch und Russisch

siehe auch: https://materialien.ajz-bayern.de/gluecksspielsucht/

Rechtliche Rahmenbedingungen

Der Staatsvertrag zum Glücksspielwesen (Stand März 2020) in Deutschland definiert Glücksspiel folgendermaßen (§ 3):

Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Die Entscheidung über den Gewinn hängt in jedem Fall vom Zufall ab, wenn dafür der ungewisse Eintritt oder Ausgang zukünftiger Ereignisse maßgeblich ist.

Auch Wetten gegen Entgelt auf den Eintritt oder Ausgang eines zukünftigen Ereignisses sind Glücksspiele.

Ziele des Staatsvertrages (§ 1) sind gleichrangig

  1. das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen.

  2. durch ein begrenztes, eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel darstellendes Glücksspielangebot den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken sowie der Entwicklung und Ausbreitung von unerlaubten Glücksspielen in Schwarzmärkten entgegenzuwirken,

  3. den Jugend- und den Spielerschutz zu gewährleisten,

  4. sicherzustellen, dass Glücksspiele ordnungsgemäß durchgeführt, die Spieler vor betrügerischen Machenschaften geschützt und die mit Glücksspielen verbundene Folge und Begleitkriminalität abgewehrt werden und

  5. Gefahren für die Integrität des sportlichen Wettbewerbs beim Veranstalten und Vermitteln von Sportwetten vorzubeugen.

Um diese Ziele zu erreichen, sind differenzierte Maßnahmen für die einzelnen Glücksspielformen vorgesehen, um deren spezifischen Sucht-, Betrugs-, Manipulations- und Kriminalitätsgefährdungspotentialen Rechnung zu tragen.

Jugendschutz
Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist laut Glücksspielstaatsvertrag und Jugendschutzgesetz (§ 6) die Teilnahme an Glücksspielen untersagt. Ebenso ist das Spielen an gewerblichen Geldspielautomaten in Spielhallen und gastronomischen Betrieben erst ab 18 Jahren gestattet. Allerdings kann gerade bei gewerblichen Geldspielautomaten und bei Glücksspielen im Internet (bei denen sich die Anbieter nicht immer in Deutschland verorten) nicht immer davon ausgegangen werden, dass diese Regelungen eingehalten werden. Auch werden Glücksspiele privat und somit illegal organisiert.

Besonders relevante Glücksspiele

Folgende Spielarten sind bei Jugendlichen besonders beliebt und zeichnen sich gleichzeitig durch ein hohes Suchtpotential aus:

  • Geldspielautomaten in Spielhallen und gastronomischen Betrieben, welche im öffentlichen Raum (auch für Jugendliche!) sehr präsent sind und einen Großteil der problematischen beziehungsweise pathologischen Spieler generieren.

  • Glücksspiele im Internet, die nicht zuletzt durch wirksame Werbebotschaften für Jugendliche sehr attraktiv sind. Poker, Sportwetten und auch Casinospielsimulationen sind je nach Plattform auch für unter 18-Jährige leicht zugänglich. Ein weiteres Merkmal ist die hohe Verfügbarkeit. Im Internet kann 24 Stunden am Tag an Glücksspielen teilgenommen werden, durch den Einsatz mobiler Endgeräte überall.

  • Sportwetten, an denen Jugendliche verstärkt teilnehmen. Hierbei ist ausschlaggebend, dass viele Jugendliche an dem Thema Sport ein starkes Interesse haben, glauben, sich gut auszukennen, und meinen, dadurch auch bei Wetten gute Aussichten auf Gewinne zu haben. Zudem ist der Zugang zu Sportwetten gerade im Internet auch für unter 18-Jährige besonders einfach.

Ebenso verdienen „Glücksspiele“ ohne Geldeinsatz (z.B. Pokern auf Übungsseiten oder in sozialen Netzwerken, kostenfreie virtuelle Casinos und Glücksspiele im Rahmen von Computerspielen) eine kritische Würdigung. Hierbei werden Kinder und Jugendliche auf Glücksspiele neugierig gemacht und teils auch systematisch herangeführt.

Das Suchtpotential von Glücksspielen

Folgende Faktoren erhöhen das Suchtpotential von Glücksspielen:

  • Ein breites und leicht zugängliches Angebot von Glücksspielen

  • Eine schnelle Spielabfolge mit schnellen Gewinn- und Verlustentscheidungen

  • Hohe Gewinnmöglichkeiten

  • Das Gefühl, den Spielverlauf steuern zu können

  • „Fast-Gewinne“, die den Eindruck erwecken, der Gewinn stehe kurz bevor

  • Ersatzwerteinheiten (z.B. Jetons oder Punkte, welche die Höhe von Gewinn und Verlust verschleiern)

Definition pathologischen Glücksspiels

Im DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, fünfte Auflage) wurde Pathologisches Glücksspielen in die Gruppe der Abhängigkeitserkrankungen aufgenommen (American Psychiatric Association, 2012). Hier wird Pathologisches Glücksspielen definiert als andauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Spielverhalten, was sich in zumindest vier der folgenden Merkmale ausdrückt:

  1. Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen, um eine gewünschte Erregung zu erreichen.

  2. Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben.

  3. Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben.

  4. Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspiele (z. B. starke Beschäftigung mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Verhindern oder Planen der nächsten Spielunternehmung, Nachdenken über Wege, Geld zum Glücksspielen zu beschaffen).

  5. Häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen (z. B. bei Hilflosigkeit, Schuldgefühlen, Angst, depressiver Stimmung).

  6. Rückkehr zum Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen (dem Verlust „hinterherjagen“ [„Chasing“]).

  7. Belügen anderer, um das Ausmaß der Verstrickung mit dem Glücksspiel zu vertuschen.

  8. Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, von Ausbildungs- oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens.

  9. Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um die durch das Glücksspielen verursachte finanzielle Notlage zu überwinden.

Als eine schwächere Ausprägung gilt das problematische Spielen. Für diese Form des Glücksspielens liegt keine einheitliche Definition vor.

Aber Achtung: Im Jugendalter auftretende Verhaltensabweichungen können immer auch Ausdruck einer zeitlich begrenzten Entwicklungskrise sein. Um Heranwachsende, die unter Umständen nur eine vorübergehende exzessive Glücksspielnutzung zeigen, nicht unangemessen zu stigmatisieren, sollte man bei diesen lediglich von problematischen Glücksspielern sprechen.

Verwandte Themen

Sucht, Prävention, Medienkompetenz

Wichtige Telefonnummern

Unter folgenden Telefonnummern erhalten Interessierte, Angehörige und Betroffene kostenlos individuelle Beratung und Informationen rund um den Themenbereich Glücksspielsucht: 

  • Hotline der BZgA: 0800 - 137 27 00

  • Expertenhotline NRW: 0800 - 077 66 11

  • Telefonberatung in Türkisch: 0800 - 326 47 62

  • Telefonberatung in Russisch: 0511 - 701 46 64

Internetseiten

 

 

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Der Methodenkoffer wird von der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern e.V. im Rahmen des Projektes "Alles Glaubenssache?“ der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) entwickelt.