Alkohol

 

Inhaltsverzeichnis

Der Inhalt dieser Seite wurde von Jörg Breitweg, Referent für Gewaltprävention bei der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern, zur Verfügung gestellt.

Zündstoff - Methoden und Grundlagen zur Prävention von Gewalthandeln unter Alkoholeinfluss

Einführung

Menschliche Aggression und Alkohol ergeben eine explosive Mischung – einen „Zündstoff“ der besonderen Art. Alkohol enthemmt und senkt die Aggressionsschwelle. Bei der Eindämmung von Gewalthandeln unter Alkoholeinfluss spielen derweil Ordnungsrecht und Repression eine wichtige Rolle. Doch auch der erzieherische Jugendschutz kann bei diesem Phänomen Verantwortung übernehmen und Wege aufzeigen, wie man dem gefährlichen Gemisch begegnen kann. Die besondere Herausforderung besteht darin, die Schnittstelle tatsächlich auch zu erfassen: Wie erreicht Gewaltprävention das Alkoholproblem und wie kann Alkoholprävention das Gewalthandeln mit einbeziehen?

Grundlagen

Wirkung und Folgen von Alkoholmissbrauch bzw. -abhänigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Die Wirkung von Alkohol hängt von der getrunkenen Menge, dem jeweiligen körperlichen und seelischen Zustand, dem Alter und der Trinkgewöhnung ab. Jugendliche und insbesondere Kinder reagieren aufgrund ihres geringen Körpergewichts grundsätzlich sehr viel empfindlicher auf Alkohol als Erwachsene. Der Alkoholgehalt steigt im Blut stärker und schneller an als bei Erwachsenen. Auch der Alkoholabbau erfolgt langsamer, da der Körper, der sich noch in der Entwicklung befindet, das dafür verantwortliche Enzym (Alkoholdehydrogenase) noch nicht wie bei Erwachsenen produzieren kann. Da Kinder und Jugendliche schneller lernen als Erwachsene, gewöhnen sie sich auch schneller an den Umgang mit alkoholisierten Zuständen. Bei Kindern und Jugendlichen kann sich eine Alkoholabhängigkeit innerhalb weniger Monate oder Jahre entwickeln.

Bei zusätzlicher Einnahme von anderen Drogen (oder auch bestimmten Medikamenten) wird die Wirkung sowie auch das gesundheitliche Risiko durch Alkoholkonsum meist nachhaltig verstärkt.

Akute Auswirkungen

In kleineren Mengen wirkt Alkohol stimmungsaufhellend, beruhigend, entspannend und angstlösend. Eine dämpfende Wirkung und ein gesteigertes Wohlbefinden bergen die Gefahr, dass eine verminderte Kritikfähigkeit und eine gesteigerte Risikobereitschaft eintreten (Selbstüberschätzung). In der Folge erhöht sich - insbesondere in Kombination mit einem nachlassenden Reaktionsvermögen - die Wahrscheinlichkeit für Unfälle. So stehen beispielsweise ein Drittel aller Verkehrsunfälle bei den 15- bis 20-Jährigen im Zusammenhang mit Alkohol.
Höhere Alkoholmengen können zu einem Umschlagen der Stimmung und zu Gereiztheit und Aggressionen führen. Die Aufmerksamkeit, das Urteilsvermögen und die Koordination lassen zunehmend nach, wodurch sich die Gefahr für Unfälle erhöht. Aber auch die Gefahr von aggressiven Entgleisungen und sexuellen Übergriffen steigt (aktiv und passiv).
Große Mengen Alkohol können – insbesondere wenn sie in einem kurzen Zeitraum eingenommen werden – zu Alkoholvergiftungen (Intoxikation) führen. Hierbei kann es durch die Intoxikation zu organischen Funktionsbeeinträchtigungen und zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen. Diese können auch durch Unterkühlung oder durch das Einatmen von Erbrochenem eintreten.

Längerfristige Auswirkungen

Die längerfristigen Folgen von riskantem Alkoholkonsum betreffen die psychische sowie die körperliche Gesundheit.

Folgenschwer ist der Konsum von Alkohol, wenn Kinder oder Jugendliche Alkohol beim Umgang mit Schwierigkeiten und Konflikten oder unerwünschten Gefühlszuständen einsetzen, statt sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen. Durch das Manipulieren der emotionalen Befindlichkeit wird verhindert, dass der Betroffene lernt, andere Möglichkeiten zu nutzen, seine Gefühle (günstig) zu beeinflussen. Insbesondere bei frühem, regelmäßigem Alkoholkonsum versäumt ein Kind, wichtige Entwicklungsaufgaben „nüchtern“ zu bewältigen und adäquate Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Regelmäßiger oder übermäßiger Alkoholkonsum erschwert die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen zu einer stabilen Persönlichkeit und damit auch die Einreihung als selbstständiges Mitglied in die Gesellschaft. Dieser Umstand trägt auch dazu bei, dass Jugendliche in ihrer altersgerechten psychosozialen Entwicklung sozusagen stehenbleiben können und dann in der späten Adoleszenz mehr oder weniger ausgeprägte Entwicklungsstörungen aufweisen. Zu den alten Problemen kommen neue hinzu, die mit der Abhängigkeit in Verbindung stehen. Als weitere psychische Beeinträchtigungen müssen Konzentrations-, Gedächtnis- und Lernstörungen sowie Beeinträchtigungen in Form von Gereiztheit, Aggressivität sowie Ängsten und Depressionen gesehen werden.

Übermäßiger Alkoholgenuss wirkt sich auf alle Organsysteme sowie das zentrale Nervensystem (ZNS) aus. In der Pubertät reifen manche Gehirnregionen besonders ausgeprägt. Übermäßiger Alkoholkonsum im Jugendalter kann das Volumen in manchen Gehirnbereichen verringern. Je früher Alkohol (oder andere psychoaktive Substanzen) konsumiert werden, desto größer sind die Auswirkungen auf die Hirnreifung, die erst im jungen Erwachsenenalter abgeschlossen ist. Davon betroffen können Areale sein, die mit der Motivation und der Impulssteuerung zusammenhängen sowie das „Suchtgedächtnis“.

Recht häufig treten bei Jugendlichen allgemeines Unwohlsein, Kopfschmerzen und eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit auf. Gravierende körperliche Schäden wie Leberschäden, aber auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und die Schädigung von Nervenzellen (Polyneuropathie), die zu den typischen Folgekrankheiten kontinuierlichen Alkoholkonsums gehören, treten häufig erst im Erwachsenenalter auf. Auch das klassische Entzugssyndrom eines Delirium tremens (mit Desorientiertheit, Unruhe und Halluzinationen) ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen selten zu finden, da die Dauer des Missbrauchs zu kurz ist.

Trinken während der Schwangerschaft kann dazu führen, dass das Baby mit einem verminderten Geburtsgewicht zur Welt kommt. Außerdem besteht eine erhöhte Gefahr von Fehlbildungen wie schmale Oberlippen, Augenspalten sowie Kleinwüchsigkeit, aber auch von geistigen und körperlichen Entwicklungsverzögerungen (FAS: Fetales Alkoholsyndrom, früher Alkoholembryopathie).

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Rainer Thomasius, Hamburg (DGKJP)

Quelle: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/erkrankungen/alkoholmissbrauch-abhaengigkeit/wirkung-und-folgen/

Gesamtziel

Jugendliche erfahren den konstruktiven Umgang mit Aggression. Sie erhalten Infomationen über die Rolle und den Konsum von Alkohol in diesem Zusammenhang.

Methoden inkl. Praxistipps

Jugendliche akzeptieren die grundlegenden Spielregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens

SZENISCH-SPIELERISCH

Es handelt sich um Gruppenspiele:

Was ist Gewalt?

Pädagogisches Ziel

Die Jugendlichen erleben, dass Gewalt unterschiedlich interpretiert wird, und lernen, dass letztlich das Opfer entscheidet, wann eine Handlung Gewalt ist.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren

  • bis 25 Personen

Zeitlicher Rahmen

30 - 45 Minuten

Beschreibung

In der Übung werden verschiedene Verhaltensweisen bewertet. Anschließend wird ein Austausch über die unterschiedlichen Sichtweisen von Gewalt angeregt.

Ob das eigene Handeln gewalttätig ist, kann nur verstanden werden, wenn die Perspektive des Gegenübers eingenommen wird. Diese grundlegende Erkenntnis ist sowohl bei intensiven Gruppenarbeiten wichtig als auch bei kleineren Einheiten zum Thema Gewalt.

Ablauf

Im Raum befinden sich zwei Blätter mit der Aufschrift „Gewalt“ und „keine Gewalt“ im Abstand von ca. 4 Metern zueinander. Die beiden Blätter sind mit einem Kreppband als Skala miteinander verbunden. Jede teilnehmende Person bekommt ein bis zwei Karten mit unterschiedlichen Verhaltensweisen. Die TN werden aufgefordert, ihre Karten auf der Skala je nach ihrer Einschätzung zuzuordnen und abzulegen.

Reflexion

Folgende Fragen können den TN gestellt werden, um damit einen Raum für intensive Diskussionen zu eröffnen:

  • Liegen alle Karten eurer Meinung nach am richtigen Platz?

  • Welche Formen von Gewalt gibt es? (Körperliche, Verbale, Nonverbale, Soziale [Gerüchte verbreiten], Vandalismus, Cyber-Attacken …)

  • Was beeinflusst das persönliche Empfinden für Gewalt? (Herkunft, Erziehung etc.)

  • Wer bestimmt die Grenzen bzw. definiert, was Gewalt ist?

  • Wer sind in den Karten-Beispielen die Opfer? Macht es einen Unterschied in der Bewertung, ob die Täterin/der Täter betrunken – also quasi „unzurechnungsfähig“ – ist?

Variante

Je nach Gruppengröße bekommen jeweils zwei TN zusammen ein bis drei Fälle mit dem Auftrag, sich darüber zu einigen, an welche Stelle auf der Skala sie ihre Karten legen wollen. Wenn alle fertig sind, beginnt ein Paar, liest seine erste Karte vor, begründet die Einordnung und legt die Karte auf die für es passende Stelle. Danach wird die Gruppe gefragt, ob sie mit der Einordnung einverstanden ist. Aufgrund der Diskussion kann es sein, dass es noch zu Verschiebungen kommt. Anschließend kommt der nächste Fall, das nächste Paar usw. Diese Variante veranlasst die TN, sich schon im geschützten Rahmen eines Zweiergesprächs mit dem Thema auseinanderzusetzen und Argumente zu finden.

Notwendige Medien/Material

  • Moderationsmaterial, Beispielkarten

  • Kopiervorlagen für 43 Beispielkarten sind auf der CD unter Punkt 5.1.1 „Was ist Gewalt“ zu finden.

  • Kopiervorlagen für Beispielkarten:

    • Die eigenen Eltern anschreien

    • Ein Haustier am Schwanz ziehen

    • Mit 80 km/h durch eine Ortschaft fahren

    • In einem Kiosk Zigaretten und Kaugummi klauen

    • Jemanden auslachen

    • Von einer Brücke Kieselsteine auf fahrende Autos werfen

    • Jemanden beim Fußball nicht mitspielen lassen

    • Aus Spaß und Gaudi raufen

    • Als Chef öffentlich das gute Aussehen seiner Mitarbeiterin loben

    • Jemandem Schläge androhen

    • Zu jemandem „Du Depp!“ sagen

    • Eine Bank überfallen

    • Beim Fußball ein Foul begehen

    • Einen Straßenpfosten umwerfen

    • Etwas mit dem Filzschreiber auf die Wände eines Bushäuschens schreiben

    • In Facebook jemanden als „blöd” bezeichnen

    • Eine Autoantenne abbrechen

    • Einem Lehrer bei einer Pausenhofschlägerei Bescheid geben

    • Ein Tier im Schlachthof mit einem Elektroschock betäuben und anschließend töten

    • Als Lehrer Strafarbeiten verteilen

    • Pfefferspray auf jemanden sprühen, der einem „Hey, du geile Sau!“ hinterhergerufen hat

    • Eine Spritze beim Zahnarzt bekommen

    • Ein gefundenes Handy behalten

    • Den Eltern aus dem Geldbeutel 20,- Euro nehmen

    • Einen Schlagring in der Tasche bei sich tragen

    • Im Internet illegal MP3s runterladen

    • Bei einer Schlägerei zusehen

    • Einen Hund mit der Leine um den Hals zügeln

    • Vor einer Klassenfahrt laut „Neben dem sitz ich nicht!“ sagen

    • Einen Boxkampf im Fernsehen zeigen

    • Die eigene Freundin zum Sex überreden

    • Mit einer Softair-Pistole rumschießen

    • Als Polizist eine Pistole tragen

    • Counter-Strike spielen

    • Über jemanden wegen dessen Kleidung lästern

    • Happy-Slapping Filme weiterschicken

    • Springerstiefel mit Stahlkappe tragen

    • Jemanden, der zu dir „Motherfucker“ sagt, schlagen

    • Bei einer Schlägerei anfeuern

    • Einem den Vogel zeigen

    • Fluchen, wenn einem der Bus vor der Nase weggefahren ist

    • Als Polizist jemanden im "Polizeigriff" abführen

    • Auf der Toilette den Finger in den Hals stecken und sich übergeben

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

 

Extremstuhl:

Pädagogisches Ziel

Positionierung zu Behauptungen und Begründen der eigenen Meinung.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren

  • 4 bis 20 Personen

Zeitlicher Rahmen

20 - 60 Minuten (abhängig von der Länge der Diskussion)

Beschreibung

Die TN reflektieren ihre Meinung zum Thema Gewalt und Alkohol. Sie finden Argumente und stellen sich einer Auseinandersetzung. Durch den Austausch über Normen und Werte entsteht ein Gruppenprozess, der selbstregulierende Kräfte freisetzt. Extreme Meinungen werden in diesem Prozess im Allgemeinen relativiert. Die Diskussion soll Lust auf einen tieferen Einstieg in einzelne Themen machen.

Insbesondere in Anfangsphasen ermöglicht es der Extremstuhl, eine hohe Motivation bei den TN zu schüren und macht die häufig sehr unterschiedlichen Standpunkte innerhalb der Gruppe deutlich.

Ablauf

Die Leitung sitzt in der Mitte der Gruppe auf einem Stuhl und äußert möglichst plakative Statements. Je mehr die TN der Aussage zustimmen, desto mehr nähern sie sich dem Stuhl, je weniger sie damit übereinstimmen, desto weiter entfernen sie sich davon. Anschließend werden die TN gefragt, weshalb sie da stehen, wo sie stehen.

Reflexion

Diese Übung ist in der Intensität sehr variabel. Der Austausch und Diskussionsprozess kann teilweise der Gruppe überlassen werden. Durch Nachfragen können einzelne Aspekte, die noch nicht genannt wurden bzw. der Gruppenleitung wichtig erscheinen, herausgearbeitet werden.

Es empfiehlt sich, in der Reflexion auf die Diskrepanzen in der Einschätzung hinzuweisen und auch die Perspektive der Opfer mit einzubeziehen, z. B. „Was würde in einer solchen Situation wohl der Betroffene dazu sagen?“.

Variante

Auf dem Boden wird mit Kreppband oder einem Seil eine Linie markiert, die eine Skala von 0% – 100% darstellt. Zu dem Pol 0% wird eine Karte mit der Aufschrift „Stimmt überhaupt nicht“ gelegt, zu dem Pol 100% eine Karte „Stimmt genau“. Alternativ können Sie auch drei Stühle auf einer Linie aufstellen. Der mittlere Stuhl ist der 0-Punkt, die anderen sind der + bzw. der – Pol.

Die erste Aussage (siehe unten) wird vorgelesen und die Jugendlichen stellen sich ihrer persönlichen Meinung entsprechend auf der Skala zwischen 0% („Stimmt überhaupt nicht“) und 100% („Stimmt genau“) auf. Anschließend befragt der Gruppenleiter einzelne Jugendliche nach ihrer persönlichen differenzierten Meinung. Dabei ist es interessant, zunächst die Jugendlichen, die an den äußeren Polen stehen, zu befragen und dann einige Meinungen aus dem Mittelfeld zu hören. Anschließend wird die nächste Aussage vorgelesen.

Wenn ein Pol, der dem Referenten wichtig ist, nicht besetzt wird, kann sich der Referent selbst auf die Position stellen und mögliche Argumente für diesen Standpunkt einbringen.

Wenn zwei Leitungen vorhanden sind, können auch gegensätzliche Aussagen behauptet werden, die TN müssen sich dann in Richtung des ihnen näherliegenden Pols stellen.

Notwendige Medien/Material

  • Stuhl für die Gruppenleitung, evtl. ein Flipchart, um wichtige Aussagen festzuhalten.

  • Die Liste möglicher Behauptungen ist auch auf der CD unter Punkt 5.1.3 „Extremstuhl“ zu finden.

  • Kopiervorlage Behauptungen:

    • „Körperliche Züchtigung schadet Kindern nicht!“

    • „Unter Alkoholeinfluss werd´ ich eher relaxter als aggressiver!“

    • „Bier ist ein Grundnahrungsmittel!“

    • „Wenn jemand meine Familie beleidigt, hat er es verdient, geschlagen zu werden!“

    • „Gewalt erzeugt Gegengewalt – ein endloser Kreislauf entsteht, wenn nicht jemand aus diesem Reaktionsmuster aussteigt!“

    • „Männer sind von Natur aus aggressiv – Feiglinge sind also nicht ganz normal!“

    • „Mädchen dürfen nicht schlagen!“

    • „Ohne Polizei würde in unserem Land das Chaos ausbrechen!“

    • „Die Polizei darf immer Gewalt einsetzen!“

    • „Wer Gewalt anwendet, kann Konflikte nicht lösen!“

    • „Würde eines von meinen Kindern in einer Auseinandersetzung mit anderen verletzt werden, würde ich als Vater mir die Typen vorknöpfen!“

    • „Mir hat es bisher noch nie geschadet, eine auf´s Maul zu bekommen – dadurch werde ich nur härter!“

    • „Besoffen oder auch nüchtern andere anzufegen und rumzustressen, ist einfach ein geiler Kick und macht Spaß!“

    • „Würde ich mich bei einer Schlägerei durch einen blöden Zufall dauerhaft verletzen (z. B. schlechter Sehen), hätte ich eben Pech gehabt – wert wäre es der Fight sicher gewesen!“

    • „Auf jemanden einzuschlagen, der bereits am Boden liegt, ist nicht in Ordnung!“

    • „Wenn ich Lust zum Fighten hab`, such ich mir mit Sicherheit niemanden, der eindeutig stärker ist als ich!“

    • „Zu einer Schlägerei gehören immer zwei – wer behauptet, grundlos angemacht worden zu sein, verschweigt, dass er sehr wohl auch rumgestresst hat!“

    • „Würde ich bei jeder Provokation den Schwanz einziehen, würde mich selbst in meinem Freundeskreis niemand ernst nehmen!“

Erfahrungen

Bei zu intensiven Diskussionen schweifen weniger beteiligte TN häufig sehr schnell ab, dann lieber das Thema auf dem Flipchart notieren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen.

Es sollten möglichst eindeutige, einfache Aussagen verwendet werden.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Rechtsquiz:

Pädagogisches Ziel

Informationen erlangen und Bewusstsein entwickeln für straf- und zivilrechtliche Folgen von Gewalt

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • 8 bis 20 Personen

Zeitlicher Rahmen

40 Minuten (bzw. als Auflockerung zwischendurch 10 - 15 Minuten pro Frage)

Beschreibung

Lockere Übung zur Wissensvermittlung und Entwicklung von Problembewusstsein

Als eigenständige Übung oder immer wieder zwischendurch für alle Gruppensettings geeignet

Ablauf

Die Gruppenleitung lässt die TN jeweils eine Frage ziehen. Zunächst hat jede Person die Möglichkeit, die Frage zu beantworten und ihre Antwort zu begründen, ist diese falsch, bekommt die ganze Gruppe die Möglichkeit zur Antwort. Quizfragen und deren Antworten sind auch auf der CD zu finden.

Variante

Eine schöne Variante insbesondere in größeren Gruppen oder Schulklassen ist es, zwei gleich große Gruppen zu bilden und in einem Quiz-Wettstreit gegeneinander antreten zu lassen.

Notwendige Medien/Material

  • Die Fragen und Antworten auf den Arbeitsblättern sind sorgfältig recherchiert. Bitte beachten Sie jedoch, dass sie keine rechtsverbindliche Auskunft darstellen! 

  • Arbeitsblätter mit 17 Quizfragen sind auf der CD unter 5.1.5 „Rechtsquiz“ zu finden.

Fragekarten

  • Liegt der Straftatbestand ‘Körperverletzung’ vor, wenn einer im Vollrausch schlafenden Person ein blöder Spruch auf die Stirn geschrieben wurde?

  • Wie schätzt du die strafrechtlichen Folgen für den Täter in folgenden vier Fällen ein? Wer wird am härtesten bestraft werden? Und nach welchen Kriterien wird der Richter entscheiden?
    1. Zwei Kumpels schubsen einen ihnen unbekannten Jugendlichen und schlagen ihn zu Boden. Er trägt ein blaues Auge davon und hat mehrere Schürfwunden.
    2. Ein Jugendlicher bricht im Streit um die Reihenfolge in der Warteschlange vor der Disco einem anderen jungen Mann die Nase.
    3. Bei einem Streit vor einem Club tritt einer der Kontrahenten den bereits am Boden liegenden Gegner mit dem Fuß gegen das Knie.
    4. Bei einer Schlägerei zieht einer der Beteiligten ein Messer und ritzt dem Gegner damit ein Loch in die Jacke – der Schnitt geht dabei auch durch das Kleidungsstück und hinterlässt einen leichten Schnitt im Arm des Opfers.

  • Während einer Schlägerei stürzt einer der beiden Beteiligten – der noch dazu absolut betrunken war – so unglücklich auf den Bordstein, dass er an den Verletzungen kurz darauf stirbt. Der andere Kontrahent hat dies aber nicht absichtlich herbeigeführt. Wird er dennoch für den Tod des anderen bestraft?

  • Was bedeutet „Totschlag“ im Gegensatz zu „Mord“?

  • Ein junger Mann wird zweimal wegen der Beteiligung an einer Schlägerei wegen Körperverletzung und einmal wegen Sachbeschädigung (weil er eine Straßenlaterne umgetreten hat) verurteilt. Kann er deshalb seinen Führerschein verlieren? 

  • Was ist ein Täter-Opfer-Ausgleich (TOA)?

  • Ab wann gilt man als „vorbestraft“ bzw. hat einen Eintrag im Führungszeugnis? 

  • Führt der Umstand, dass man bei einer Straftat betrunken war, zu einer geringeren Strafe wegen „eingeschränkter Schuldfähigkeit“? 

  • Zwei junge Männer geraten auf einer Party in Streit, es kommt zu einer Schlägerei, bei der beide gut einstecken müssen und auch offensichtlich verletzt sind (Rippenprellung, aufgeplatzte Oberlippe/Augenbraue). Nachdem die Sache etwas abgekühlt ist, beruhigen sich beide – und gehen wieder auf die Party. Nach 15 Minuten erscheint aber ein Streifenwagen (von der Nachbarin gerufen) und nimmt beide in Gewahrsam. Kommt es zu einer Anzeige bzw. Verhandlung?

  • Darf ein 16-jähriger Jugendlicher eine „Gasa“ (Pistole zum Verschießen von Reizgas zur Selbstverteidigung) oder eine Airsoft mit 7 Joule Druck (Luft- oder Federdruckpistole zum Verschießen von Farb- oder Kunststoffkugeln) mit sich tragen?

  • Ein 17-Jähriger pöbelt einen anderen vor der Disko an. Dieser greift ihn darauf an und will, nachdem er den 17-Jährigen zu Boden geworfen hat, auf diesen weiter eintreten. Der am Boden Liegende sprüht darauf dem Angreifer und seinen ihn anfeuernden Freunden CS-Gas (Tränengas) ins Gesicht. Ist dies gerechtfertigt?

  • Darf ein volljähriger junger Mann ein Springmesser beim Besuch des Münchner Oktoberfestes mitnehmen?

  • Aus Verärgerung darüber, dass ein DJ in einem Club seinen Musikwunsch nicht spielt, beschimpft ein bereits ziemlich angetrunkener Gast den DJ mit den Worten „Du legst wie auf einem Kindergeburtstag auf!“. Daraufhin zeigt der DJ den Gast wegen Beleidigung an, wird er Recht bekommen?

  • Ein betrunkener Jugendlicher spricht einen Polizisten im Vorbeigehen mit „Servus!“ an. Dieser kontert, er (der Jugendliche) solle sich zusammenreißen. Daraufhin erwidert der junge Mann: „Reg dich nicht so auf!“ Der Polizist zeigt den Jugendlichen wegen Beleidigung an, wird er Recht bekommen?

  • Eine Gruppe Jugendlicher bedroht an einer Bushaltestelle einen älteren Mann, sie schubsen ihn und wollen Geld von ihm erpressen. Bist du als Passant verpflichtet, einzugreifen oder zumindest die Polizei zu verständigen?

  • Einer deiner Kumpels gerät nach einer Party mit einem anderen Gast in Streit. Nachdem sich die Lage beruhigt hat, tickt dein Freund aus und schlägt offensichtlich ohne erkennbaren Grund auf den anderen ein. Die eintreffende Polizei nimmt die Personalien aller Umstehenden auf, auch von dir. Musst du vor Gericht gegen deinen Kumpel aussagen?

  • Du wirst von einem offensichtlich betrunkenen Typen – den du nicht mal kennst – aus heiterem Himmel angepöbelt. Er geht dich sofort körperlich an und will dich schlagen. Da er ziemlich betrunken ist, fällt es dir nicht schwer, den Angriff abzuwehren und – nachdem er am Boden liegt – ihn mit einem Tritt in den Bauch „ruhigzustellen“. Bist du im Recht?

 

Erfahrungen

Wird die Übung als Quiz gegeneinander durchgeführt, ist darauf achten, dass bei intensiverem Gesprächsbedarf bei einzelnen Fragen diese lieber auf einem Flipchart notiert werden und nach der Übung extra bearbeitet werden.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Kosten-Nutzen:

Pädagogisches Ziel

Die TN werden sich über die „Vorteile“ bzw. den „Nutzen“ sowie die „Nachteile“ bzw. „Kosten“ ihres Verhaltens bewusst. Sie sind in der Lage, Kosten und Nutzen einer Handlung abzuwägen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Sie erkennen ihre Motive für gewalttätiges Verhalten und sehen Alternativen zur Bedürfnisbefriedigung.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • 4 bis 14 Personen

Zeitlicher Rahmen

60 - 90 Minuten

Beschreibung

Kosten-Nutzenanalyse aggressiven Verhaltens, z.B. Randalieren, Schlägern. Hilfreiche Übung insbesondere im frühinterventiven Setting mit bereits auffälligen Jugendlichen und mit TN, die überwiegend fremdmotiviert sind.

Ablauf

Zunächst sammeln die TN die Vorteile bzw. Nutzen für aggressive oder gewalttätige Verhaltensweisen. In einem zweiten Schritt werden die Nachteile bzw. Kosten gegenübergestellt.

In einer Zwischenreflexion werden die Ergebnisse analysiert und ggf. differenziert (z. B. kann bearbeitet werden, dass der scheinbare Vorteil „cool vor der Gruppe dastehen“ eigentlich negativ zu bewerten ist und viel über die ungünstige Gruppenkultur aussagt).

Im nächsten Schritt wägen die TN ab, welche Seite der Kosten-Nutzen-Waage für sie überwiegt.

Reflexion

In der Reflexion sollte noch folgender Umstand in den Blick genommen werden: Die Vorteile besitzen häufig zwar für den Moment (Kick, gutes Gefühl) Gültigkeit, die Nachteile wirken sich u. U. aber auf das ganze Leben aus (z. B. Vorstrafen, persönliche Schuldgefühle, Verletzungen).

  • Welche Ziele verfolge ich durch den Einsatz von Gewalt? Kann ich so mein Ziel überhaupt erreichen?

  • Gibt es Alternativen, um „günstiger“ zum Ergebnis zu kommen? Wie kann ich die Bedürfnisse nach Anerkennung, Kick, Durchsetzung meiner Bedürfnisse usw. anders befriedigen?

  • Wie ist es in 5 oder 10 Jahren? Wie wirkt sich mein momentanes Verhalten aus, um Ziele wie Arbeit, materielle Absicherung, Familie, gesellschaftliche Anerkennung usw. zu erreichen?

  • Welche Folgen oder Konsequenzen will ich auf keinen Fall?

  • Wie ist es, wenn ich Alkohol getrunken habe, habe ich dann noch alle möglichen Konsequenzen und Folgen meines Handelns im Blick?

  • Wie kann ich vermeiden, dass negative Folgen eintreten?

Notwendige Medien/Material

  • Flipchart

Erfahrungen

Bei Gewaltanwendungen geht es um Ambivalenz, d. h. es gibt für die Betroffenen sowohl Vor- als auch Nachteile. Das Bild einer Waage kann dies ausdrücken, die Waagschalen sind ungefähr im Gleichgewicht. Wichtig ist, dass die Gruppenleitung nicht selber Nachteile aufzählt oder die TN dazu drängt, voreilig Nachteile einzubringen. Hier wäre zu viel Gewicht auf der Seite der Nachteile. Die TN tendieren in so einem Fall eher dazu, für die Vorteile von Gewalt zu plädieren, um die Waage auszugleichen. An dieser Stelle ist es wichtig, die Vorteile (hinter denen meist normale menschliche Bedürfnisse stehen) nicht pauschal zu verdammen, sondern sie durchaus anzuerkennen. Durch die Würdigung der Pro-Argumente entsteht die Bereitschaft bei den TN, auch die Nachteile in den Blick zu nehmen.

Im zweiten Schritt kann man durch Fragen wie „Hast du schon mal Schwierigkeiten wegen deinem Gewaltverhalten bekommen?“, „Hast du dir schon mal deswegen Sorgen gemacht?“ usw. die TN dazu auffordern, Nachteile selbst zu finden und auszusprechen. So legen sie selber Gewicht auf die Seite der Nachteile ihres Verhaltens und die innere Spannung wird bewusst und verstärkt. Erst so entfaltet die Übung ihre Wirkung.

Diese Übung kann genauso mit anderen riskanten oder exzessiven Verhaltensweisen durchgeführt werden (z. B. Alkohol- oder Drogenkonsum)

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

 

VISUELL

Plakaterstellung

Alkohol- und Gewaltkompass:

Pädagogisches Ziel

  • Die TN können die Quantität ihres Konsums von Alkohol und ihres Einsatzes von Gewalt realistisch einschätzen.

  • Sie sind sich der Bedeutung von Alkoholkonsum bei Gewaltverhalten bewusst.

  • Sie kennen Motive, die hinter dem Konsum von Alkohol und der Anwendung von Gewalt stehen können.

  • Sie haben alternative Befriedigungsmöglichkeiten für Bedürfnisse, die hinter dem Konsum von Alkohol und der Anwendung von Gewalt liegen, erarbeitet.

  • Sie haben Alternativen ausprobiert und deren Nutzen für sich bewertet.

Zielgruppe(n)

  • Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren

  • Zur Durchführung im Bereich Schule, Jugendarbeit und Jugendhilfe geeignet

  • 6 - 30 Personen

Zeitlicher Rahmen

90 - 180 Minuten

Beschreibung

Mit Hilfe eines Plakates, auf dem bestimmte Alkoholkonsum- und Gewaltverhaltensweisen stehen, können Jugendliche angeben, wie oft solche Verhaltensweisen bei ihnen vorkommen. Dies geschieht z. B. mittels Aufkleben oder Aufmalen von Punkten neben der jeweiligen Verhaltensweise. Im zweiten Schritt wird nach Motiven und Bedürfnissen, die hinter dem Verhalten stehen, gesucht und in einem dritten Schritt werden alternative Bedürfnisbefriedigungsmöglichkeiten erarbeitet.

Ablauf

Setting: Halber Stuhlkreis, um das Plakat herum
Die gesamte Methodik kann man an einem Stück durchführen, man kann aber auch nach Punkt 2 „Motive“ aufhören und Punkt 3 „Alternativen/Klaviatur“ an einem anderen Tag weiterführen. Dies empfiehlt sich besonders für Jugendliche, die es nicht gewohnt sind, so lange an einem Thema zu arbeiten. Außerdem ist es möglich, die Gruppe nach Geschlecht zu trennen. Dies empfiehlt sich, wenn eine Seminarleiterin und ein Seminarleiter die Veranstaltung durchführen. Die Seminarleiterin kann dann zusammen mit den Mädchen, der Seminarleiter zusammen mit den Jungen einen Gewalt- und Alkoholkompass erstellen. Wenn die TN einverstanden sind, können zum Abschluss die Ergebnisse einander gegenübergestellt werden.

1. Was?

Vorgehensweise:

Erstellung des Plakates:
Man benötigt einen Papierbogen, der 1m breit und ca. 2,5m lang ist (günstig sind z. B. Abdeckrollen, die u. a. bei Malergeschäften gekauft werden können).
Das Plakat wird in 10 – 11 Zeilen und 8 Spalten (s. u.) unterteilt und wie unten beschriftet. Ein bis zwei Zeilen kann man leer lassen, damit die Jugendlichen evtl. noch ein bis zwei Fragestellungen, die sie interessieren, eintragen können. Die Zeilen sollten ungefähr 9,5 cm hoch sein, damit Moderationskarten Platz haben.

Alternativ kann man 11 Einzelseiten DIN A 4 von der CD ausdrucken und analog der Plakatvorlage unten auf eine Pinnwand pinnen.

Verhalten

 

Täglich

Wöchentlich

1x im Monat

Seltener

Nicht mehr

Nie

Warum?
Was bringt´s?

Alkohol nach der Arbeit/Schule getrunken

 

 

 

 

 

 

 

 

Alkohol vorm/beim Weggehen getrunken

 

 

 

 

 

 

 

 

Rausch angetrunken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verbale Gewalt (beleidigen, beschimpfen)

ohne Alk.

 

 

 

 

 

 

 

mit Alk.

 

 

 

 

 

 

 

Materielle Gewalt (etwas zerstören, beschädigen)

ohne Alk.

 

 

 

 

 

 

 

mit Alk.

 

 

 

 

 

 

 

Leichte körperliche Gewalt (rempeln, Bein stellen)

ohne Alk.

 

 

 

 

 

 

 

mit Alk.

 

 

 

 

 

 

 

Schwere körperliche Gewalt (jemanden verletzen, Waffen einsetzen)

ohne Alk.

 

 

 

 

 

 

 

mit Alk.

 

 

 

 

 

 

 

An einer Gruppenkeilerei beteiligt

ohne Alk.

 

 

 

 

 

 

 

mit Alk.

 

 

 

 

 

 

 

Das Plakat wird auf den Boden gelegt oder an einer Wand befestigt. Die letzte Spalte (Warum? Was bringt´s?) sollte nach hinten umgeklappt werden, sodass die TN sie noch nicht sehen können. Dann wird den Jugendlichen das Plakat erklärt.

2. Wie oft?

Dann werden Klebepunkte verteilt (man kann die Punkte auch mit Filzschreiber setzen lassen, Klebepunkte sind aber besser, da die Anzahl beschränkt ist). Jede/r bekommt 13 Punkte.

Dann werden die Jugendlichen gebeten, der Frequenz ihres eigenen Konsum- und Gewaltverhaltens entsprechend, in der vorgegebenen Spalte zu punkten.

  • Je weiter links die Punkte gesetzt werden, desto öfter kommt das Verhalten vor.

  • Jede/r soll in jede Zeile einen Punkt kleben.

Auswertung:
Die Gruppenleitung zählt die Punkte, die bei täglich, wöchentlich und bei 1x im Monat gegeben wurden, für jedes Verhalten zusammen und schreibt die Punktzahl zu den Mitteln/Verhalten. So entsteht eine Rangfolge der in der Gruppe am häufigsten gezeigten Verhaltensweisen. Wichtig ist die Auswertung der Unterschiede zwischen gewalttätigem Verhalten mit und ohne Alkohol, d. h. an welcher Stelle wird ein Verhalten unter Alkohol mehr gepunktet?

Reflexion

Fragen zu Auswertung:

  • Seid ihr von unserem Ergebnis überrascht? Was hat euch überrascht?

  • Habt ihr das Ergebnis so erwartet? Wenn ja, warum?

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Gewalt? Wo spielt Alkohol keine Rolle? Wo spielt Alkohol eine Rolle? Warum ist das so?

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Qualität der Gewalt (also z. B. wie schwer die Gewalt war)? Wenn ja, warum?      

Hier geht es darum herauszuarbeiten, ob es einen Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewalt gibt, und wenn ja, warum Alkohol möglicherweise bei manchen Menschen gewalttätiges Verhalten hervorruft oder verstärkt. Anschließend beschäftigen sich die TN mit der Frage: Denkt ihr, dass das Ergebnis im grünen Bereich ist, oder seht ihr bei einigen Konsum-/Verhaltenswerten schon problematisches Verhalten?

Als Junge seine Kraft mit anderen zu messen, ist sicher kein problematisches Verhalten. Es kommt darauf an, ob die Situation passt, also z. B. nicht während des Unterrichts/der Arbeit, und darauf, ob man andere schädigt bzw. deren Grenzen missachtet (Regeln zum Raufen).

Beim Alkoholkonsum geht es darum, abzuwägen, ob die Situation stimmt – z.B. kein Alkohol im Straßenverkehr, an Maschinen usw. (Konsumregeln). Weiterhin geht es darum, betrunken keine Risikosituationen zu suchen wie z. B. S-Bahn-Surfen oder eine Schlägerei. Alkohol reduziert zwar die Angst vor solchen Aktivitäten, aber die Koordinationsfähigkeit, das Schmerzempfinden sowie die Fähigkeit zur Risikoeinschätzung, insbesondere der längerfristigen Folgen, nehmen ab.

Außerdem geht es darum, sensibel die eigenen Grenzen wahrzunehmen („Woran erkenne ich, dass ich genug getrunken habe?“, „Wie wirkt der Alkohol auf mich?“, „Woran erkenne ich, dass sich ein Suchtverhalten entwickelt“).

Notwendige Medien/Material

  • Papierbogen, 1m breit und ca. 2,5 m lang; Gestaltung siehe unten

  • Alternativ sind auf der CD unter Punkt 5.1.8 „Alkohol und Gewaltkompass“ 11 Einzelseiten DIN A 4 zum Ausdrucken vorbereitet, mit denen das Plakat auf einer Pinnwand zusammengestellt werden kann.

  • Moderationskarten zum Beschreiben, Stifte

  • Klebepunkte

  • Evtl. weitere Plakate oder Papier

Erfahrungen

Es empfiehlt sich, vorher zu vereinbaren, dass Informationen z. B. über Gewalt- und Konsumgewohnheiten einzelner in der Gruppe bleiben und vertraulich behandelt werden.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

 

(SOZIAL-)RÄUMLICH

Lebensräume

Fight Club:

Pädagogisches Ziel

Die Jugendlichen werden sich über ihre Gefühle in aggressionsgeladenen Situationen oder körperlichen Auseinandersetzungen bewusst. Sie lernen einen bewussteren Umgang mit eigenen aggressiven Tendenzen.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahre

  • 6 - 14 Personen

Zeitlicher Rahmen

Mindestens 90 Minuten für alle 3 Stufen

Beschreibung

In einer dreistufigen Übung erfahren die Jugendlichen zunächst körperliche Vertrautheit, steigern sich in einen aggressiv-ekstatischen Zustand und werden bei der Reflexion der dahinterliegenden Gefühle unterstützt.

Die Gruppe braucht ein Mindestmaß an Vertrautheit und kooperativer Grundstimmung.

Ablauf

1. Stufe: Herstellen einer körperlich-vertrauten Atmosphäre
Die TN stehen in einem Kreis und steigern sich in einen möglichst energetischen Zustand durch die Übung „Pendel“ oder „Klatschkreis“.
Das Pendel ist besonders dann zu empfehlen, wenn die Gruppe in ihrer Dynamik und der gegenseitigen Vertrautheit gefördert werden soll, der Klatschkreis unterstützt die gegenseitige Kooperation und fördert den Energieanstieg in der Gruppe. Beide Übungen sollten, wenn möglich, ohne viel zu sprechen durchgeführt werden und bei genügend Zeit in mindestens zwei Durchläufen wiederholt werden.

2. Stufe: Steigerung in einen aggressiv-ekstatischen Zustand
Der folgende Prozess soll stufenweise in 3 Schritten gesteigert werden und im vierten Schritt abrupt vom Gruppenleiter abgebrochen werden.

  1. Schritt: Regelbegrenztes und stummes Drücken in der „Grundstellung“
    Die TN stellen sich paarweise im Abstand von ca. 50 cm breitbeinig gegenüber auf und bewegen ihre Füße nicht mehr vom Boden weg. Die Hände berühren sich parallel an den Handflächen wie Prellböcke, die Finger dürfen nicht ineinander verhakt werden. Dann versuchen sich die TN gegenseitig durch kräftiges Drücken (wobei die Hände immer aneinander bleiben müssen!) aus dieser Grundstellung zu schieben.

    Die TN sollen dabei nicht sprechen! Die Übung kann einige Male wiederholt werden. Zwischen den einzelnen Runden wird nicht gesprochen, sondern auf die eigene Körper- und Gefühlswahrnehmung geachtet:
    „Bin ich außer Atem?“
    „Wo spüre ich im Körper etwas?“
    „Ist das ein gutes Gefühl oder vielleicht sogar Schmerz?“
    „Fühle ich mich gut und stark?“
    „Habe ich Lust auf die nächste Runde?“

  2. Schritt: Drücken in der Grundstellung, aber mit verbaler Äußerung
    Die Übung wird jetzt wiederholt und dahingehend in ihrer Intensität gesteigert, dass die TN sich gegenseitig durch Ich-Botschaften „anstacheln“ dürfen („Ich mach dich fertig!“, „Ich bin stärker!“) und sich gegenseitig immer höher schaukeln, bis sie sich nur noch wütend anschreien. Die Grundstellung (Füße fest auf dem Boden) darf dabei nicht verlassen werden! Je nach bereits erreichter Intensität in der Gruppe sollte diese Runde wiederholt werden.

    Vor dem 3. Schritt wird dann keine explizite Reflexion eingebaut, um die anschwellende Energie nicht zu verlieren.

  3. Schritt: Exzessive körperliche Auseinandersetzung
    Die TN bekommen für diese letzte Eskalationsstufe Schaumstoffschläger („Batschaka“), alternativ Kissen oder drei Blätter gerolltes Flipchartpapier als Schlagwerkzeug und müssen nun erneut versuchen, aus der Grundstellung heraus ihr Gegenüber dazu zu bringen, einen Fuß vom Boden zu heben. Klare Grenze ist dabei das Schlagen auf den Kopf oder in die Geschlechtsteile! Sobald einer der beiden Kontrahenten seinen Fuß vom Boden gehoben hat, müssen beide wieder in die Grundstellung zurück und sofort erneut wieder gegeneinander antreten

  4. Schritt: Abruptes Abbrechen der Übung durch die Leitung
    Sobald die Gruppe bei einem hohen Energielevel angekommen ist (meist nach ein bis zwei Minuten) bricht die Leitung die Übung mit einem deutlichen Signal (bestenfalls einer lauten Pfeife) ab. Die TN sollen sich ganz ruhig verhalten und für zwanzig Sekunden in sich gehen („Steht ganz ruhig und lauscht dem Feeling in euch drin!“).

3. Stufe: Bewusstes Erleben der emotionalen Befindlichkeit
Zunächst werden die Impulsfragen von Schritt 1 wiederholt und um die Aspekte Macht und Kampf erweitert („Wie fühlt es sich an, gewonnen/verloren zu haben?“, „Fiel es mir schwer, zur Ruhe zu kommen?“, „Bin ich von meiner Energie her an oder sogar über Grenzen gegangen?“). Die TN beantworten diese Fragen nur für sich im Stillen.
Dann beginnt der bewusst-reflektierende Teil:
Im Raum wird mit Kreppband oder 2 Seilen ein Kreuz auf dem Boden gelegt. In jeweils eines der vier Felder kommt eine Karte mit der Aufschrift: „Wut“, „Angst“, „Freude“ und „Abscheu“. Die Leitung erklärt die Karten kurz und betont, insbesondere bei „Angst“, den positiven Aspekt dieses Gefühls der geschärften Sinne und hoher Sensibilität für das Außen sowie bei „Abscheu“ den Umstand des intensiven Bei-sich-Seins im Sinne von „da stimmt was nicht“.

Die TN sollen durch die vier Felder gehen und folgenden Fragen nachgehen:

  • Welches Gefühl hat bei der Übung überwogen?

  • Welches fühlte sich am besten an?

  • Gibt es eine Stelle im Körper, wo ich dieses Gefühl spüre?

  • Gibt es ein Gefühl, das ich gar nicht gespürt habe?

Im nächsten Schritt wird die Reflexion ins Plenum geholt, die TN sollen zunächst Gelegenheit bekommen, ihre aktuelle Befindlichkeit zu äußern (nicht den Ablauf der Übung zu kommentieren!) und sich dann mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Kennst du solche Gefühlszustände auch im Alltag?

  • Welche Sehnsüchte könnten dahinter stehen?

  • Was ist positiv/negativ an den einzelnen Gefühlen?

  • Verändert Alkohol das Erleben der einzelnen Gefühle?

Wenn ja, wie?

Reflexion

Zunächst ist die direkt auf den Übungsprozess bezogene Reflexion, wie sie in der 3. Stufe des Übungsablaufs beschrieben ist, entscheidend für den Lernerfolg.

Anschließend bieten sich aber eine Vielzahl weiterer Reflexionsstränge an:

  • Welchen Einfluss haben diese Gefühle auf mein Verhalten in gewalttätigen Auseinandersetzungen?

  • Was ist der Unterschied zwischen der Übung und „echten“ Schlägereien? (Regeln, Verletzungsgefahr…)

  • Wie wirkt Alkohol bei einer körperlichen Auseinandersetzung?

  • Wie kann ich frühzeitig eine einsetzende Eskalationsspirale bemerken – und aussteigen?

Welche alternativen Verhaltensformen kenne/habe ich, um exzessiv-aggressiven Gefühlen Raum zu geben – und diese positiv zu nutzen bspw. im Sport?

Variante

Sportlich fitte Gruppen können die 2. Stufe dahingehend verändern, dass die „Grundstellung“ jeweils im zweiten Durchgang bedeutet, nur auf einem Bein zu stehen.

Notwendige Medien/Material

  • Schaumstoff-Schläger oder Kissen (alternativ Flipchart-Rolle)

  • 4 farbige DIN A4-Karten

  • Trillerpfeife

Erfahrungen

Die große Herausforderung dieser Übung liegt darin, die Gruppe gut durch den Ablauf zu führen, ohne zu sehr regulierend auf die entstehenden Dynamiken einzugreifen – und dabei aber auch mögliche Überreaktionen und Grenzüberschreitungen zu verhindern

Unserer Erfahrung nach stellt sich nach einigen ersten Erfahrungen mit dieser Übung sehr schnell ein Gefühl dafür ein, welches Maß an Anleitung und Begrenzung die TN brauchen, um in einen guten Flow zu kommen. Auch entwickelt man schnell ein Gefühl für die passende Intensität der Zwischenreflexion – da es ja für viele Jugendliche sehr ungewohnt ist, so bewusst den eigenen emotionalen Zuständen nachzuspüren.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Jugendliche sind empathisch und sozial kompetent

ERLEBNISPÄDAGOGISCH

In geschlossenen Räumen

In & Out:

Pädagogisches Ziel

Jugendliche werden sich über die Wirkung des Bedürfnisses nach Gemeinschaft und dem in manchen Gruppen herrschenden Druck in Bezug auf Alkoholkonsum und Gewaltanwendung bewusst.

Jugendliche erkennen einen möglichen Zusammenhang zwischen Ausgrenzungserfahrungen, Suchtmittelkonsum und Gewaltanwendung.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren

  • 10 bis 30 Personen

Zeitlicher Rahmen

15 - 20 Minuten, die Auswertung kann je nach Intensität 30 - 40 Minuen dauern.

Beschreibung

Mit Hilfe eines gemeinsamen Erkennungszeichens eines Großteils der Gruppe und einer Minderheit, die nichts über das Erkennungszeichen weiß, wird eine Ausgrenzungssituation erfahrbar gemacht. Durch die Auswertung der Erfahrungen werden Motive zum Alkoholkonsum und zur Gewaltanwendung thematisiert.

Erlebnisorientierte Gruppenarbeit, wenn es in der Gruppe um die Themen „Gruppendruck“, „Ausgrenzung“ oder „Ausländer“ geht.

Ablauf

Die meisten TN ziehen vorbereitete, zusammengefaltete Zettel, auf denen steht: „Gehe im Raum herum, greife dir immer wieder an dein Ohrläppchen und schaue, ob andere das Gleiche tun. Gehe dann zu den Personen und begrüße sie wie einen alten Freund/Kumpel. Du freust dich sehr, ihn/sie wiederzusehen. Wiederhole das, bis die Übung zu Ende ist.“

Auf zwei oder drei Zetteln steht: „Gehe im Raum herum und versuche, mit den andern Kontakt aufzunehmen“.

Reflexion

  • Wie ist es der „Ohrläppchen-Gruppe“ ergangen? Wie habt ihr euch gefühlt? Habt ihr bemerkt, dass es andere gab, die auch zu euch Kontakt aufnehmen wollten? Habt ihr darauf reagiert?

  • Wie ist es den anderen ergangen? Wie habt ihr euch gefühlt (ausgeschlossen, ärgerlich, traurig, mutlos, einsam, wütend, trotzig, aggressiv usw.)? Ist es euch gelungen, Kontakt herzustellen? Wenn ja, wie? Habt ihr untereinander Kontakt bekommen? Habt ihr erkannt, was die Gemeinsamkeit der anderen war?

  • Darüber hinaus kann herausgearbeitet werden, wie es gelingen kann, Zugang in eine Gruppe zu bekommen (Beispiele sammeln, z. B. andere Gemeinsamkeiten oder Themen finden). Ebenfalls bietet sich an, die Umstände zu ergründen, warum wenige/keiner auf die Kontaktangebote der Out-Group-TN eingegangen ist.

  • Wichtig ist es zudem, den Transfer zu alltäglichem Verhalten herzustellen, z. B. über die Frage: „Was denkt ihr, wofür das „Ohrläppchen greifen“ stehen kann?“ (z. B. als gemeinsames Gruppensymbol, gleiche Musik, gleicher Style usw.) oder ein gemeinsames Ritual oder gleiche Themen (wie z. B. zusammen Alkohol trinken, zusammen losziehen, andere anmachen und sich stark fühlen usw.).

Ein wichtiges Ergebnis dieser Reflexionsarbeit kann sein, dass die TN erkennen, dass all diese Dinge/Verhaltensweisen Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit schaffen. Man fühlt sich gut, wenn man dabei ist, auch wenn „Ohrläppchen zupfen“ bzw. die jeweilige Verhaltensweise (z. B. Schlägern gehen, sich zusaufen) für sich genommen nicht unbedingt für jeden sehr attraktiv ist.

Variante

Bei genügend Zeit und „Power“ der TN kann die Reflexion noch auf das Thema „Ausgrenzung“ erweitert werden: Wie ist es, wenn man sich auf Dauer ausgeschlossen fühlt? In der Schule den Anschluss verliert? Den Anforderungen in der Familie nicht gerecht wird? Wenn man keine Chance sieht, einen Platz in der Gesellschaft zu finden?

Mögliche Reaktionen könnten z. B. sein: der Anschluss an deviante Peers, um dort Anerkennung zu bekommen und Gemeinschaft zu erleben, aber auch Gewalt einzusetzen, um Frust abzulassen, die eigene Ohnmacht zu überwinden, sich stark zu fühlen usw.

Auch Migranten können durch Ausgrenzungserfahrungen veranlasst werden, sich in die eigene ethnische Gruppe zurückzuziehen.

Notwendige Medien/Material

  • Vorbereitete Zettel in der Zahl der Gruppengröße

  • Flipchart

Erfahrungen

Die große Schwierigkeit bei dieser Übung besteht darin, dass der Reflexionsprozess eine gewisse „Entfernung“ und hohe Transferleistung vom direkt in der Übung Erlebten erfordert. Die Leitung muss somit stets im Blick haben, ob auch alle TN noch bei der Sache sind und dem Reflexions- und Transferprozess folgen können.

Unsere Erfahrung zeigt, dass insbesondere ältere Jugendliche sehr schnell den Transfer zum eigenen Verhalten herstellen können, sobald sie die in ihrer Peer-Group vorherrschende Chiffre für „Ohrenzupfen“ erkannt haben.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Visuell

Fotos

Der perfekte Mann/die perfekte Frau:

Pädagogisches Ziel

Die TN sind sich ihrer eigenen Geschlechtsrollenbilder bewusst. Sie hinterfragen Geschlechtsstereotype in Bezug auf Alkoholkonsum und Aggressivität.

Sie wissen, wie sie als Mann/Frau wahrgenommen werden möchten.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • Großgruppen bis 12 Personen oder in Kleingruppenmit je 3 - 4 Personen

Zeitlicher Rahmen

30 - 90 Minuten

Beschreibung

Methode für Klein- und Großgruppen ab 14 Jahren zur Reflexion der eigenen Geschlechts- und Rollenidentität

Bei der Bearbeitung des Themas „Gewalt“ und/oder „Alkoholkonsum“ haben sich meist viele Hinweise auf den unterschiedlichen Einfluss des Geschlechts auf Gewaltverhalten und -bewertung sowie Suchtmittelkonsum ergeben. Durch diese Übung kann der Fokus über genderspezifische Aspekte von Gewalt und Alkoholkonsum auf die eigene Geschlechtsidentität im Allgemeinen erweitert werden.

Ablauf

Die TN bekommen einzeln oder in Kleingruppen den Auftrag, auf einem Flipchart den perfekten Mann/die perfekte Frau und sein/ihr Leben zu beschreiben. Dazu bekommen die TN Zeitschriften und/oder die Möglichkeit, im Internet zu recherchieren, um Fotos und Bilder bzw. Ausschnitte davon zu verwenden.

Sie sollen dabei insbesondere auf folgende Aspekte eingehen:

  • Wie sieht sein/ihr Körper aus bzw. wie geht er/sie damit um?

  • Wie gestaltet er/sie sein/ihr Leben (Beruf, Hobby, Familie etc.)?

  • Wie könnte sein/ihr Verhältnis zu Gewalt und Suchmittelkonsum aussehen?

Anschließend wird im Plenum über den/die Entwürfe diskutiert und möglichweise wird sogar der/die „Perfekte“ gefunden…

Reflexion

Grundsätzlich sollte die Leitung bereits während des Übungsprozesses darauf achten, welche Dynamiken und Interaktionen in den/der (Klein-)Gruppe(n) entstehen. Gibt es z. B. Eigenschaften, über die sich sofort alle einig sind bzw. über die mehr diskutiert wird? Wie präsentieren sich die Geschlechtsrollen in gemischt-geschlechtlichen Gruppen?

Gemeinsam im Plenum sollte dieser Aspekt dann auch besondere Beachtung finden: Was würde das jeweils andere Geschlecht zu diesen Eigenschaften sagen bzw. wie äußern sich die Anwesenden dazu?

Weitere Fragen können sein:

  • Wie würde er/sie sich z. B. in Situation XY verhalten?

  • Was würde er/sie zur Aussage XY sagen?

  • Sollte er/sie trinkfest sein?

  • Wie würde er/sie sich verhalten, wenn der Partner/die Partnerin von jemand angepöbelt wird?

  • Wie würde er/sie sich verhalten, wenn der Partner/die Partnerin von jemand angebaggert wird?

  • Muss der ideale Mann eine Frau beschützen können oder ist es wichtiger, dass er einfühlsam ist und sie unterstützt?

  • Muss eine Frau ausgleichend wirken oder sollte sie ihre Meinung klar vertreten?

  • Was findet er/sie am anderen Geschlecht attraktiv/störend?

  • Wie haben sich diese Eigenschaften im Laufe der Zeit verändert?

  • Was denken die TN, wie die Antwort auf diese Übung in 50 Jahren lauten würde?

Wichtig ist, sowohl in der Fragestellung als auch der anschließenden Reflexion, die Fokussierung auf den Umgang mit exzessiven Verhaltensweisen wie Gewalt und Alkoholkonsum zu lenken

Variante
In gemischtgeschlechtlichen Gruppen kann es äußerst fruchtbar sein, wenn die Kleingruppen geschlechtshomogen aufgeteilt werden, für die Reflexion stellen sich die Gruppen dann ihre Ergebnisse gegenseitig vor.

Eine andere Variante der Methode ist, den TN Broschüren und Zeitschriften zur Verfügung zu stellen, mit dem Auftrag, daraus eine Collage zu basteln. Der Zeitbedarf beträgt dann aber mindestens 60 – 90 Minuten.

Notwendige Medien/Material

  • Flipchart

  • Broschüren und Zeitschriften bzw. PC/Internet und Drucker

Erfahrungen

Es ist darauf zu achten, dass (insb. beim Einsatz des Internets zu Recherchezwecken) die Beschreibungen nicht in sexistische Klischees abschweifen bzw. solche Tendenzen angemessen aufgearbeitet werden.

Insbesondere älteren Jugendlichen fällt der Transfer auf den Umgang mit exzessiven Verhaltensweisen und genderspezifischen Einflüssen darauf erstaunlich leicht. Wichtig ist aber ein angemessenes Setting auch in Bezug auf Schweigepflicht.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Mister Universum:

Pädagogisches Ziel

Ein differenziertes und vollständigeres Bild vom eigenen Geschlecht (bzw. den Erwartungen daran) jenseits gängiger Rollenstereotype wird erarbeitet. Im Fokus stehen dabei insbesondere der Umgang mit exzessiven Verhaltensweisen (Alkohol und Gewalt) sowie das Zulassen und Ausleben von Emotionen.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • besonders passend bei rein männlichen Gruppen

  • 5 - 12 Personen

Zeitlicher Rahmen

50 - 60 Minuten

Beschreibung

Infragestellen von stereotypen Männlichkeitsbildern

Diese Übung verlangt den TN viel an Introspektionsfähigkeit und Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten ab. Ein entsprechend geschütztes Setting ist somit Voraussetzung.

Ablauf

Den TN werden Fotos von verschiedenen Männern ausgeteilt (z. B. Rapper 50-Cent, Ex-Microsoft Chef Bill Gates, Ex-Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann, ein Bauarbeiter, Nelson Mandela, Sylvester Stallone als Rambo, Leonardo DiCaprio, Dieter Bohlen, Michael Ballack, Stefan Raab, das Bild eines Vaters, der mit seinem Sohn bastelt, US-Präsident Barack Obama, ein Mann, der kocht).

Die TN sollen die Bilder auf einer Skala mit 10 Zwischenstufen von 1 „so möchte ich auch sein“ bis 10 „so möchte ich auf gar keinen Fall sein“ sortieren. Anschließend wird über das Ergebnis diskutiert.

Reflexion
Folgende Fragen können die Reflexion anregen:

  • Wurde die Entscheidung in schneller Übereinstimmung aller TN getroffen bzw. warum gab es Uneinigkeiten?

  • Was fehlt den einzelnen Männern, um für die TN attraktiv zu sein?

  • Was würde eine Gruppe von Frauen zu dieser Einteilung sagen?

  • Wie würden sich diese Männer im Umgang mit Alkohol und Gewalt unterscheiden? Welche Gründe hätten sie dafür?

  • Welche Eigenschaften hätten die TN sich als Kinder von ihrem Vater gewünscht bzw. wollen sie ihren Kindern bieten?

  • Wie müsste ein Mann sein, der die verschiedenen Seiten und Rollen (durchsetzungsfähiger Beschützer, liebevoller Vater, guter Zuhörer usw.), die von Frauen oder von der Gesellschaft an einen Mann gestellt werden, gut in sich vereinigt? Ist das eine Überforderung?

  • Wie gehe ich mit meinen sanften Seiten um? Sind sie Schwächen, die verdrängt werden müssen, oder können sie eine Hilfe sein, um den heutigen Ansprüchen an Männer gerecht zu werden?

Variante
Beim Einsatz dieser Methode in der Jugendarbeit oder im Schulsetting kann auch ein gemischtgeschlechtliches Setting eine sehr spannende Alternative zu geschlechtshomogenen Gruppen sein. Selbstverständlich können die Prinzipien der genderspezifischen Pädagogik dann nur teilweise umgesetzt werden (z. B. Schutz- und Freiraum vor dem anderen Geschlecht) und die Fragen der Reflexion sollten nicht zu intensiv werden (insb. keine biographischen Fragen nach der eigenen Kindheitserfahrung bzw. Vaterschaft).

Notwendige Medien/Material

  • Fotos von verschiedenen (prominenten) Männern

Erfahrungen

Häufig entsteht bei wenig motivierten Gruppen eine starke Coolness-Dynamik und das differenzierte Betrachten benötigt viel Durchhaltevermögen der Leitung.

Die Fragen nach eigenen Kindheitserfahrungen können bei manchen Jugendlichen starke Trauerreaktionen hervorrufen, es gilt, dosiert und sensibel nachzufragen!

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

SZENISCH/SPIELRISCH

Spiele/Simulation

Welcher Gewalt- und Risikotyp bin ich?:

Pädagogisches Ziel

Die TN lernen sich in ihrem Gewalt- und Risikoverhalten realistisch einzuschätzen und werden dabei unterstützt, gesundheitsorientiertes Verhalten zu entwickeln.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • bis 16 Personen

Zeitlicher Rahmen

40 - 90 Minuten, je nach Intensität der Auswertung

Beschreibung

Basismethode zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewalt- und Risikoverhalten

Diese Übung eignet sich sehr gut im Vorfeld erlebnispädagogischer Aktionen mit dem Fokus auf Grenz- und Kickerfahrungen (z. B. Klettern, Hochseilgarten), kann aber auch als eigenständige Methode verwendet werden.

Ablauf

Zunächst wird der Begriff „Risiko” von der Leitung positiv eingeführt und das Modell des „Risikokontinuums“ vorgestellt:
Demnach können alle menschlichen Verhaltensweisen auf einer Risikoskala mit den beiden Polen „Sicherheit“ (bringt Stabilität, stellt den Status Quo dar etc.) und „Kick/high risk“ (bringt neue Erfahrungen und Lernmöglichkeiten, stellt ein Experimentierfeld dar etc.) eingeordnet werden. Die TN sollen dazu entsprechende Assoziationen und Verhaltensweisen, die ihnen spontan einfallen, nennen.

Es werden drei Skalen parallel untereinander an einer Tafel, auf einer Stellwand, einem Plakat usw. eingetragen. An den Enden der obersten Skala werden die Werte von 1 „no risk“ bis 10 „no risk – no fun“ eingetragen. Die zweite Skala reicht von 1 „kein Alkohol“ bis 10 „Rauschtrinken“. Auf der dritten Skala finden sich Werte von 1 „keine Gewalt“ bis 10 „Gewalt ist geil“. Die TN tragen sich dann jeweils in die drei Skalen entsprechend ihres persönlichen „Risikotyps“ ein:

  • Skala: das grundsätzliche Risikoverhalten

  • Skala: Risikoverhalten in Bezug auf Alkoholkonsum

  • Skala: Risikoverhalten in Bezug auf Gewaltverhalten

Dabei muss natürlich auch betont werden, dass sich der individuelle „Risikowert“ je nach Verhaltensweise und Lebenssituation (etwa Schule/Ausbildung oder Rauschmittelkonsum in der Clique) unterscheidet.

Die drei Skalen werden verglichen und überprüft, wo es Überschneidungen und Parallelen gibt. Ist man eher bereit, viel Alkohol zu trinken oder sich auf eine Schlägerei einzulassen, wenn man auch generell risikobereiter ist? Gibt es deutliche Überschneidungen zwischen der „Alkohol-Skala“ und der „Gewalt-Skala“? Gibt es auch Personen, die sehr risikobereit sind, aber kaum Alkohol trinken, die Gewalt ablehnen etc.

Spannend ist auch das Abfragen verschiedener Entwicklungen, z. B. ob der Wert schon einmal höher oder niedriger war – und warum es zu einer Veränderung gekommen ist („Verpasst du jetzt nicht etwas?“).

Wird eine erlebnispädagogische Methode durchgeführt, sollte diese Einschätzung nach der Übung unbedingt nochmals überprüft werden – ggf. auch durch Feedback von außen ergänzt werden (z. B. „Wie haben dich die anderen wahrgenommen?“).

Reflexion

  • Was ist der Vorteil, was der Nachteil, an dieser Stelle der Skala zu sein?

  • Was für Vorteile kann Risikoverhalten bringen? Was können die Nachteile sein?

  • Was für Vorteile kann Sicherheitsdenken bringen? Was sind die Nachteile?

  • Wie ist es, wenn jemand keinen Alkohol trinkt? Kann das ein Zeichen von Stärke sein? Versäumt der etwas?

  • Wie ist es, wenn jemand sich so besäuft, dass er/sie ins Koma fällt? Wieso macht jemand so etwas?

  • Was heißt Risikokompetenz in Umgang mit Alkohol?

  • Wie ist es, wenn jemand nie Aggression zeigt? Nie in eine körperliche Auseinandersetzung geht? Welche Vorteile, welche Nachteile hat das?

  • Wie ist es, wenn einer keiner Schlägerei aus dem Weg geht? Was hat der davon? Was für Nachteile muss er in Kauf nehmen?

  • Wann macht Raufen Spaß, wann hört der Spaß auf?

  • Was ist gesunde Aggression? Was braucht man, um sich abgrenzen zu können? Wie findet man das richtige Maß?

  • Was ist Aggressionshemmung? Woher kommt sie? Welche Folgen kann sie haben? Welche Rolle kann Alkohol bei aggressionsgehemmten Menschen spielen?

Variante
Man kann die Übung zur Einschätzung des eigenen Risikotyps auch nur zum Thema Alkoholkonsum machen.

Einzelne Fragen z. B. „Was heißt Risikokompetenz im Umgang mit Alkohol?“, „Was ist gesunde Aggression?“, „Was ist Aggressionshemmung?“, „Woher kommt sie?“, „Welche Folgen kann sie haben?“ oder „Welche Rolle kann Alkohol bei aggressionsgehemmten Menschen spielen?“ kann man auch in Kleingruppen erarbeiten und dann im Plenum vorstellen lassen.

Mit dieser Übung als Vorbereitung kann im Anschluss nach bereits implizit oder explizit angewendeten bzw. zukünftig möglichweise anwendbaren Strategien zur „Risikooptimierung“, wie z. B. ein bewusstes Auswählen der Situation des Alkoholkonsums oder der Mitkonsumenten, gesucht werden.

Notwendige Medien/Material

  • Fotos von verschiedenen (prominenten) Männern

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Schweinerei:

Pädagogisches Ziel

Die TN erfahren intensive Bewegung und sind durch die Übung aktiviert.

Der Umgang mit Alkohol und Gewalt wird spielerisch behandelt, um die Grundlage für einen offenen Austausch zum Thema zu ermöglichen (Eisbrecher).

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren mit Alkohol und Gewalterfahrung

  • 16 - 30 Personen

Zeitlicher Rahmen

15 - 30 Minuten, je nach Intensität der Auswertung

Beschreibung

Die Übung ist eine Variante des bekannten Kreisspiels „Obstkorb“, bei dem Plätze getauscht werden und eine Person in der Mitte versucht, einen leeren Stuhl zu erwischen.

  • Die Bereitschaft zur Veränderung von Verhaltensweisen benötigt die offene Thematisierung des eigenen Verhaltens.

  • Die Methode hilft Jugendlichen, ihr Trink- und Gewaltverhalten offenzulegen, ohne Beschämung zu erleiden.

  • Die Übung aktiviert und kann am Anfang oder zwischen Lerneinheiten zum Einsatz kommen.

  • Sie eignet sich auch zum Einsatz vor der Übung auf der CD unter Punkt 5.1.8 „Alkohol und Gewaltkompass“, da sie die Erinnerung an Alkoholkonsum oder Schlägereien evoziert. Durch den „Alkohol- und Gewaltkompass“ können dann die Verhaltensweisen kritisch aufgearbeitet werden.

Ablauf

Die Leitung kündigt an, dass nun eine Schweinerei vorgesehen ist.

Die TN sitzen im Stuhlkreis und werden reihum in mehrere Schweinearten eingeteilt: Hausschweine, Wildschweine, Stachelschweine, Wollschweine, Hängebauchschweine … (je nach Gruppengröße 4 – 6 Arten).

Nun geht die Spielleitung in die Mitte des Kreises, ihr Stuhl wird beiseite gerückt.

Die Spielleitung ruft nun eine Schweineart auf. Die Personen, die zu dieser Art gehören, tauschen untereinander die Plätze. Die Spielleitung versucht dabei, für sich einen freien Platz zu finden. Gelingt ihr das, gehört sie zur Art der aufgerufenen Schweine. Wer übrigbleibt, geht in die Kreismitte und ruft wiederum eine Schweineart auf, die untereinander tauschen muss. Ruft die Person in der Mitte allerdings „Schweinerei“, so müssen alle TN ihre Plätze wechseln. Sie behalten dabei ihre alte Schweineart.

Nach einiger Zeit unterbricht die Leitung das Spiel und verkündet: „Ihr seht, wir sind alle Schweine. Wenn Ihr bereit seid, würde ich gerne einmal beleuchten, welche Schweinereien wir schon gemacht haben. Eure Teilnahme ist natürlich freiwillig.“

Auf einzelnen Moderationskarten sind verschiedene Merkmale aufgeführt. Auf Zuruf tauschen alle Personen die Plätze, die diese Merkmale erfüllen:

  • Alle, die noch nie Alkohol getrunken haben.

  • Alle, die gerne Bier trinken.

  • Alle, die fast jedes Wochenende Alkohol trinken.

  • Alle, die schon mal betrunken waren.

  • Alle, die in den letzten vier Wochen besoffen waren.

  • Alle, die schon mal in eine Schlägerei verwickelt waren.

  • Alle, die gerne raufen.

  • Alle, die schon mal etwas gemacht haben, was sie später bereut haben.

  • Alle, die schon mal bereut haben, zu viel getrunken zu haben.

Der Stapel der Moderationskarten wandert immer zu der Person in der Mitte, die dann das nächste Merkmal vorliest. Dann versucht sie wieder einen Platz zu bekommen.

Zum Abschluss bedankt sich die Leitung für das Mitmachen und die Offenheit. Sie betont, dass es bei dem Spiel nur um das Aufzeigen von Verhalten ging und nicht um die Kontrolle von Fehlverhalten. Außerdem kann bereits zu Anfang der Hinweis hilfreich sein, dass Alkoholkonsum nicht automatisch eine Schweinerei ist.

Reflexion

Die Botschaft, dass es bei dieser Methode nicht um Kontrolle geht, sondern um Offenheit, leitet auch die Reflexion. Der Standpunkt, dass offene Thematisierung des Verhaltens der erste Schritt ist, um Verhaltensweisen zu ändern, wird zu Beginn kurz erläutert.

Reflexionsfragen können sein:

  • Ist es euch schwer oder leicht gefallen, über den Konsum von Alkohol Auskunft zu geben?

  • Was hat euch überrascht?

Variante

Die Methode kann auch gut zum Aufdecken von anderen Tabuthemen dienen. Die Bereiche Straftaten oder Sexualität bieten reichlich Anhaltspunkte. Auch kann vereinbart werden, dass die Person in der Mitte eigene Merkmale erfinden kann.

Notwendige Medien/Material

  • Stuhlkreis

  • vorbereitete Moderationskarten zum Ausdrucken sind auf der CD unter 5.2.6 „Schweinerei“ zu finden

Erfahrungen

  • passt zu Alkohol- und Gewaltkompass

  • Die Übung setzt in jedem Fall die Freiwilligkeit der TN voraus. Deshalb sind das Vertrauen untereinander und das Vertrauen, dass die eigene Offenheit nicht missbraucht wird und beispielsweise Informationen nach außen getragen werden, unabdingbar.

    Es ist darauf zu achten, dass hoher Alkoholkonsum nicht „heroisiert“ wird und sich im weiteren Verlauf über Motive und Gefahren auseinandergesetzt wird.

  • Das Spiel selbst kann einen sehr dynamischen Verlauf nehmen. Wichtig ist deshalb, dass auch Aufmerksamkeit auf die Sicherheit im Raum gelegt wird.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Profiling:

Pädagogisches Ziel

Neben einem intensiven Kennenlernen bietet diese Übung die Gelegenheit, von anderen einen Spiegel zur eigenen Selbstdarstellung geboten zu bekommen. Die TN erfahren unmittelbar, wie sie auf andere wirken.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • 10 - 20 Personen

Zeitlicher Rahmen

20 - 30 Minuten, je nach Intensität der Auswertung

Beschreibung

Auseinandersetzen mit der eigenen Selbstdarstellung

Diese Übung macht erst dann Sinn, wenn sich die Gruppe bereits besser kennengelernt hat und auch schon einzelne Themen bearbeitet wurden. Je nachdem, wie viel Vertrauen in der Gruppe herrscht, können intimere Fragen weggelassen oder hinzugenommen werden.

Ablauf

Zunächst findet sich die Gruppe zu Zweierpaaren. Die Gruppenleitung gibt dann die Aufgabe vor, vom jeweiligen Partner ein „Täterprofil“ zu erstellen. Alle Fragen sollen dabei von beiden Partnern beantwortet werden und können auf Moderationskarten notiert werden. Während der Antwort ist es die Aufgabe des jeweils anderen Partners, einfach zuzuhören, er soll sich nicht rechtfertigen oder widersprechen. Erst wenn sein Partner geendet hat, kann er sich dazu äußern und nachfragen, wie es zu dieser Einschätzung gekommen ist. 

Zunächst sollte mit unverfänglichen Einstiegsfragen begonnen werden, die man auch in einer normalen Unterhaltung stellen würde. Später können sie konkreter werden und sich mehr auf das eigentliche Thema beziehen.

Beispiele für Fragen sind:

  • Welche Musik hört dein Partner?

  • Was für Hobbys könnte dein Partner haben?

  • Geht dein Gegenüber lieber in die Disko/Kneipe oder auf Privatpartys?

  • Hat er/sie eine/n Freund/in?

  • Trinkt er/sie viel Alkohol? Wie viel? Was am liebsten?

  • Ist er/sie eher der Typ, der in einer Schlägerei mitmischt oder der sich raushält und weggeht?

  • Ist dein Partner eher risikofreudig oder eher vorsichtig?

  • Ist dein Partner jemand, der eher alles mitmacht oder eher jemand, der den eigenen Weg geht?

  • Würdest du ihm/ihr eine schwere Körperverletzung aus reinem Spaß an Gewalt zutrauen?

Reflexion

Am Ende der Übung stellt jeder der Gruppe vor, wie er eingeschätzt wurde. Dann kann gemeinsam reflektiert werden, ob und wieso es ggf. zu so großen Unterschieden in der Selbst- und Fremdwahrnehmung kommt, welche Umstände die Selbstdarstellung beeinflussen (z. B. Erwartungen der Gruppe, das andere Geschlecht) und wie wichtig dabei die Aspekte „Gewalt“ und „Alkohol“ sind.

Notwendige Medien/Material

  • Moderationskarten

Erfahrungen

  • Zu Beginn der Übung unbedingt ankündigen, dass das Besprochene später öffentlich in der Gesamtgruppe besprochen wird. Die Leitung sollte sehr darauf achten, dass einzelne Teilnehmende nicht „vorgeführt“ werden bzw. leidvolle Erfahrungen nicht ins Lächerliche gezogen werden.

  • Diese Übung eignet sich unserer Erfahrung nach sehr gut, um in einen intensiven Reflexionsprozess über das eigene Selbstbild einzusteigen. Auch kann die Übung dadurch erweitert werden, dass der Frage nachgegangen wird, welche „Typen“ in der eigenen Clique keine Anerkennung bekommen würden und welche Aspekte davon man selbst zwar mitbringt – diese aber niemals zeigen würde.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Unter Kolleg*innen/Reflecting Team:

Pädagogisches Ziel

Die TN bekommen untereinander die Möglichkeit, sich im Rahmen eines „Teams unter Kollegen“ Feedback zu geben und dabei zu einer differenzierten Selbst- und Fremdwahrnehmung zu gelangen. Die Leitung kann dabei Impulse setzen und den Fokus für bedeutsame Themen schärfen.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • 6 - 14 Personen

Zeitlicher Rahmen

10 - 15 Minuten, je nach Intensität pro Person

Beschreibung

Intensive Methode, um am Ende einer Gruppenarbeit Feedback zu geben. Am Ende eines Gruppenprozesses als Abschluss oder auch zur Zwischenreflexion nach einzelnen Methoden geeignet.

Ablauf

Die Leitung bittet die TN zum „Fachgespräch unter Kollegen“, die TN bekommen also die Rolle von pädagogischen Mitarbeitern. Jeweils eine Person verlässt die Runde und hört im Hintergrund des Raumes dem Gespräch in der Runde zu.

Die TN sollen sich dann über den jeweils Außenstehenden unterhalten und dabei auf die relevanten Themen des Gruppenprozesses eingehen.

Mögliche Themen, die von der Leitung angesprochen werden können:

  • Die Rolle und Funktion innerhalb der Gesamtgruppe

  • Das individuelle Risiko-/Aggressionspotential

  • Eine Einschätzung zukünftigen Verhaltens

  • Hypothesen über die Ursachen für riskante Verhaltensweisen

  • Was hat die Person in die Gruppe eingebracht?

  • Wo liegen Stärken, die die jeweilige Person noch nutzen könnte?

Wichtig ist dabei, dass die Leitung den Fokus auf vorhandene Ressourcen und gelingende Verhaltensweisen legt und diese der Gruppe zur Diskussion anbietet (falls die TN diese Aspekte nicht selbst einbringen).

Reflexion

Abschließend sollte jedem TN die Möglichkeit gegeben werden, sich zum Gehörten zu äußern – weniger um sich zu rechtfertigen, als vielmehr mit dem Fokus darauf, wie es sich anfühlt, so von den andern Gruppenmitgliedern wahrgenommen zu werden.

Notwendige Medien/Material

  • Stuhlkreis

Erfahrungen

  • Bei Gruppen mit hohem Konfliktpotential oder offenen Streitigkeiten sollte diese Methode nicht angewendet werden.

  • Nach unserer Erfahrung geben sich die TN häufig sehr ehrliches und tiefgehendes Feedback. Auch haben wir bisher noch nie ein Abrutschen in gegenseitiges Beleidigen oder Verletzen erlebt, eher blenden die TN offensichtliche Widersprüche in der Selbstdarstellung und dem Verhalten der TN oder andere unangenehme – unter pädagogischen Aspekten aber wichtige – Themen aus, um sich gegenseitig zu schonen.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

ERLEBNISPÄDAGOGISCH

In geschlossenen Räumen

Spogat:

Pädagogisches Ziel

Neben dem Kennen- und Einschätzenlernen der anderen TN soll diese Übung durch das entstehende Netz symbolisch den Bezugsrahmen als Gruppe zu jedem Einzelnen und den Austausch untereinander aufzeigen.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren

  • 6 - 12 Personen

Zeitlicher Rahmen

30 Minuten

Beschreibung

Die TN werfen sich gegenseitig ein Knäuel Paketschnur zu und erzählen dabei ihre positivste und schlimmste Erfahrung mit Gewalt.

Als Anfangsübung bei sich bereits bekannten Gruppen gut einsetzbar.

Ablauf

Die TN sitzen in einem Stuhlkreis und werfen sich nacheinander den Spogat zu, behalten ihr Ende der Schnur aber in der Hand. Nach und nach entsteht so ein Netz zwischen den TN.

Beim Werfen erzählt jeder pro Durchgang zunächst seine aufregendste und dann seine schlimmste Erfahrung mit Gewalt.

Nach drei Runden wird so zwischen den TN ein dichtes Netz entstehen.

Reflexion

Eine Grundbotschaft dieser Übung stellt die Erfahrung dar, dass jeder Erfahrungen mit Gewalt hat, und diese auch immer ein Gegenüber, also einen anderen Menschen, betreffen.

Konkrete Fragen sind:

  • Könnten die negativen Erfahrungen des einen der „Preis“ für die positiven Erfahrungen eines anderen TN sein?

  • Was haben wir als Gruppe gemeinsam/unterscheidet uns von anderen Jugendlichen anhand des Gesagten?

  • Was würde passieren, wenn einer der Beteiligten aus dem Kreislauf Täter-Opfer aussteigen würde?

Variante

Wird die Übung zum „Kennenlernen“ oder zum „Zuhören können“ eingesetzt, bietet es sich an, dass nach einem Durchlauf der Spogat rückwärts, d. h. zum Vorredner zurückgeworfen wird, und jeder TN die Äußerungen, die der TN vor ihm geäußert hat, wiederholen muss.

Notwendige Medien/Material

  • Am besten ist ein zu einem Ball aufgewickelter„Spogat“ (Paketschnur) geeignet. Alternativ kann auch ein Wollknäuel benutzt werden.

Erfahrungen

  • Die Leitung sollte sehr darauf achten, dass bei der Frage nach der „tollsten“ Gewalterfahrung keine alten Verletzungen bei anderen TN aufbrechen oder sich einzelne TN sehr stark profilieren. Geschieht das, sollte es unbedingt in die Gruppe als Diskussionsthema zurückgegeben werden (z. B. „Mir als Leitung fällt auf, dass du dich mit dieser Rolle des harten Hundes sehr gerne gegenüber anderen darstellst, wie geht es den anderen damit?“).

  • Die Übung kann in ihrem rituellen Charakter für die Gruppe genutzt werden, wenn die TN zum Abschluss mit dem fertigen Netz aus Spogat aufstehen und jeder sich leicht zurücklehnt und sein Gewicht vom Netz halten lässt (nicht bei Wollknäuel anwenden!).

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Hausfriedensbruch:

Pädagogisches Ziel

Die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit wird geschult. Weiterhin werden Geduld, Toleranz, das Einhalten von Grenzen und auch ein Aushalten von Misserfolg geübt.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren

  • 10 - 20 Personen

Zeitlicher Rahmen

30 - 60 Minuten, je nach TN-Zahl und Reflexionsfähigkeit

Beschreibung

Die TN versuchen in einem Wettkampf, in dem sie allerdings aufeinander angewiesen sind, zu gewinnen.

Zu Beginn eines gemeinsamen Gruppenprozesses oder zur Intensivierung bestimmter Themen (z. B. Kommunikation, Gruppenrollen)

Ablauf

Zunächst wird ein Raum mithilfe des Paketklebebandes in verschiedene Felder aufgeteilt, die kreuz und quer mit Zahlen versehen werden.

Auf jedem Feld steht eine Zahl, es gibt so viele Zahlen wie TN und jede Zahl muss mind. 3 x vorkommen. Die TN zählen nun der Reihe nach durch. Anschließend wird erklärt, dass die Felder für Häuser stehen und ihnen alle Häuser, die mit ihrer Zahl versehen sind, gehören.

Ihre Aufgabe ist es nun, schnellstmöglich auf die andere Seite des Raums zu gelangen, dabei gelten folgende Regeln:

Die TN dürfen alleine nur die Häuser betreten, die ihnen gehören, das heißt, die mit ihrer Zahl markiert sind. Allerdings dürfen sie die Häuser anderer betreten, solange die Eigentümer sich selbst dort befinden, und müssen sie dementsprechend wieder verlassen, bevor die Eigentümer es tun.

Sollte der Eigentümer des Hauses dieses verlassen, bevor der Spieler es konnte, so muss dieser wieder von vorne anfangen, gleiches gilt für das Berühren des Bodens zwischen den Häusern oder das verbotene Betreten fremder Häuser, wenn die Eigentümer nicht dort sind.

Reflexion

In der Reflexion sollen folgende Dinge in den Blick genommen werden:

  • Obwohl jeder Spieler sein eigenes Interesse verfolgt hat, war dennoch gegenseitige Unterstützung und Absprache möglich?

  • Wie fühlte es sich an, von den anderen aufgrund deren eigenen Vorteils (in diesem Fall das Feld verlassen zu können) „im Stich gelassen“ zu werden?

  • Gab es innerhalb der Gruppe unterschiedliche Rollen (z. B. einen Koordinator) oder Strategien der einzelnen Spieler?

  • Falls ja, wie unterschiedlich waren diese in Hinblick auf die Kommunikation (z. B. eher fordernd-bestimmend oder bietend bzw. Vorschläge unterbreitend)

  • Erkennen sich die TN darin in ihren realen Beziehungen wieder?

  • Wie wird sich die Kommunikation und Kooperationsfähigkeit unter dem Einfluss von Alkohol verändern?

Variante

Um die Sache einfacher zu gestalten, können „besetzte Häuser“, die niemandem gehören und die jeder betreten kann, eingeführt werden.

Um die Übung zu erschweren, kann die Auflage gemacht werden, dass man nur vorwärts gehen darf und nicht auf bereits betretene Grundstücke zurückkehren kann.

Notwendige Medien/Material

  • Paketklebeband

  • Zahlenkarten

Erfahrungen

  • Unter Umständen muss das Spiel vom Spielleiter abgebrochen werden, da es nicht immer möglich ist, auf die andere Seite zu gelangen.

  • Bei größeren Gruppen kann eine Hausnummer mehreren TN zugeordnet werden. Grundsätzlich sollten die Häuser so verteilt sein, dass die TN gezwungen sind, möglichst häufig miteinander zu kommunizieren, d.h. die einzelnen Zahlen sollten nicht direkt nebeneinander liegen.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Pendel:

Pädagogisches Ziel

Vertrauen in die Gruppe gewinnen und Verantwortung für jemand anderen übernehmen.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren

  • 9 - 20 Personen

Zeitlicher Rahmen

10 - 20 Minuten, wenn jede Person die Möglichkeit zum Ausprobieren haben soll.

Beschreibung

Anspruchsvolle Vertrauensübung.

Für bereits vertrautere Gruppen, um intensivere Gruppenübungen einzuleiten oder auch als Abschlussritual.

Ablauf

Die TN bilden einen Kreis, in dessen Mitte eine Person steht, deren Augen verbunden sind oder die sie geschlossen hält. Auf ein Zeichen der Gruppe hin lässt sie sich fallen wie ein Brett. Die TN, die in Fallrichtung stehen, fangen die Person mit nach vorn gestreckten Armen auf und geben ihr einen sanften Schubs in eine andere Richtung. Die TN dort tun das gleiche. Anfangs sollten die TN sehr dicht am Fallenden stehen und die Fallstrecke gering halten, später kann der Kreis vergrößert und die Fallstrecke damit verlängert werden. Nach 2 Minuten wird die Position des Fallenden gewechselt.

Reflexion

Bei der Reflexion sollten insbesondere die Empfindungen der Person, die sich fallen lassen hat, Raum bekommen. Beispielsweise:

  • Fiel es schwer, den anderen zu vertrauen und sich einfach fallen zu lassen? Was machte es so schwer/gab Sicherheit?

  • Bist du ein Mensch, der viel Sicherheit und Abwägen braucht oder jemand, der schnell mögliche Risiken ausblendet?

  • Vertraust du deinen Freunden auch blind? Woran erkennst du, dass du ihnen so intensiv vertrauen kannst?

  • Verändert sich diese Wahrnehmung durch Alkohol? Wenn ja, wie?

  • Kann gemeinsames aggressives Verhalten diese Sicherheit ebenfalls erzeugen?

  • Wie verändern sich der Ablauf und die Bewertungen unter Alkoholeinfluss?

Variante

Die Gruppe wird in Kleingruppen zu je 3 Personen aufgeteilt. Der in der Mitte Stehende wird dann zwischen den beiden anderen hin und her geschubst. Die Fallstrecke kann auch hier nach und nach gesteigert werden, sollte aber zu Anfang noch eher gering sein.

Notwendige Medien/Material

  • Augenbinde

Erfahrungen

  • Die Leitung muss darauf achten, dass die Übung nicht ausartet und die pendelnde Person grob herumgeschubst wird. Die TN sollen deshalb vorher instruiert werden, auf die Reaktionen des Fallenden zu achten und zu erspüren, ob er eine geringere Fallstrecke benötigt oder der Abstand noch vergrößert werden kann.

  • Achtung bei großen Gewichtsunterschieden unter den TN (z. B. kräftigen Jungs und zierlicheren Mädchen), die Verletzungsgefahr ist nicht zu unterschätzen.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Jugendliche sind in der Lage, Konfliktsituationen gewaltfrei zu lösen

ERLEBNISPÄDAGOGISCH

In geschlossenen Räumen

Atmen/Achtsamkeitsübung:

Pädagogisches Ziel

Jugendliche lernen, ihren Atem zu beobachten, Achtsamkeit, Selbstdistanzierung und Möglichkeiten der Regulation von Gefühlen werden geübt.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ohne Altersbegrenzung

  • 2 - 30 Personen

Zeitlicher Rahmen

20 - 30 Minuten, je nach Auswertung

Beschreibung

Jugendliche lernen eine Entspannungsübung. Sie beobachten ihren Atem und die Wirkung von Ein- und Ausatmung auf sich selbst.

Empfiehlt sich nach körperlich aktivierenden Übungen, um die TN zu zentrieren.

Ablauf

Die Jugendlichen setzen sich aufrecht auf einen Stuhl und bekommen die Aufgabe, auf ihre Atmung zu achten.

Anleitung: “Wenn möglich, bitte die Augen schließen. Achtet auf eure Atmung. Welche Räume füllt die Atmung? Geht sie in den Bauch? Geht sie bis ganz oben in den Brustraum? Ist sie eher auf der Vorder- oder Rückseite zu spüren? Ist die Einatmung länger als die Ausatmung oder die Ausatmung länger als die Einatmung? Pause. Jetzt mit offenem Mund fünfmal hintereinander schnell und tief atmen. Pause. Beobachtet, was sich verändert hat. Seid ihr eher aktiviert und kribbelig oder eher ruhig und entspannt? Pause. Jetzt langsam tief einatmen, so dass sich der Bauch und der ganze Brustkorb füllt. Dann atmet ruhig und langsam aus und achtet auf die Ausatmung. Spürt ihr, wie sich der Brustkorb senkt? Spürt ihr eine Entspannung? Werdet ihr ruhiger? Pause. Öffnet die Augen.“

Zwischenreflexion: “Wie ging es euch? Was hat eher aktiviert, was hat eher entspannt?”

Reflexionsfragen:·  

  • Kennt ihr Situationen, in denen euer Atem schneller geht?

  • Kennt ihr Situationen, in denen der Atem stockt?

  • Es gibt den Spruch „Erstmal durchatmen“. Was meint ihr, in welcher Situation könnte der Atem helfen?

“Jetzt machen wir eine neue Übung. Schließt die Augen und erinnert euch an die letzte Prüfung oder eine andere Situation, in der ihr sehr aufgeregt wart. Pause. Jetzt atmet tief ein und langsam aus. Jetzt machen wir noch fünf tiefe Atemzüge, beobachten dabei unsere Ausatmung und zählen bei jeder Ausatmung von fünf runter bis eins. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch dabei vorstellen, dass ihr bei jeder Zahl wie in einem Aufzug, der nach unten fährt, immer tiefer in die Entspannung kommt. 5, Pause, 4, Pause, 3, Pause, 2, Pause, 1, Pause. Beobachtet, wie ihr euch fühlt? Hat sich an der Aufregung etwas geändert? Bin ich ruhiger geworden? Dann öffnet die Augen wieder.“

Reflexion

  • Wie ist es euch ergangen?

  • War es schwierig, sich auf das Ausatmen und gleichzeitig auf das Zählen zu konzentrieren?

  • Konntet ihr ruhiger werden?

  • Was haltet ihr davon, in Situationen, in denen ihr aufgeregt seid, diese Techniken einsetzen?

  • Kennt ihr andere/bessere Techniken?

Variante

Man kann auch nur den ersten Teil durchführen und bei einer anderen Gelegenheit dann den zweiten Teil.

Notwendige Medien/Material

  • kein zusätzliches Material erforderlich

Erfahrungen

  • Es ist nicht immer leicht, pubertierende Jugendliche zur Entspannung zu bringen. Der Hinweis, wie wichtig der Atem bei Kampfsportarten ist, kann helfen.

  • Solche Übungen sollten langfristig immer mal wieder gemacht werden, damit sie selbstverständlich werden und sich verfestigen können.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Grounding:

Pädagogisches Ziel

Die TN kommen innerlich zur Ruhe und fokussieren auf die körperliche Ebene. Gleichzeitig kommt man in Kontakt mit den anderen Gruppenteilnehmern und schafft ein Klima des gegenseitigen Vertrauens.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren, insbesondere auch mit Gewaltdelikten bereits aufgefallene Jugendliche

  • 6 - 16 Personen

Zeitlicher Rahmen

5 - 10 Minuten

Beschreibung

Lockere Übung mit tiefgehender Wirkung.

Wenn die TN aufgewühlt sind oder als Einstieg in pikante Themen.

Ablauf

Die TN suchen sich einen Partner und stellen sich einander gegenüber, so dass die Fußspitzen aufeinander zeigen. Die Arme sind angewinkelt und sie legen die Handflächen aufeinander. Nun versuchen sie, sich gegenseitig durch Ausübung von Druck aus dem Gleichgewicht zu bringen, allerdings lediglich so lange, bis der Partner gerade noch sein „Grounding“ wiederfindet und wieder stabil stehen kann. Die Füße dürfen dabei nicht bewegt werden.

Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die TN nicht in grobes Schubsen übergehen!

Reflexion

Als Achtsamkeitsübung zwischendurch bedarf es keiner spezielleren Reflexion.

Möglich ist aber immer die Fokussierung auf die entstehende Dynamik durch die Interaktion mit anderen:

  • Wie ist es, von meinem Gegenüber angefasst/herausgefordert zu werden?

  • Wie fühlt es sich an, zu verlieren oder zu gewinnen?

Variante

Als eher kampfbetontes Spiel kann die Übung auch gut zur Auflockerung oder zur Auffrischung der Konzentration genutzt werden. Ziel ist es dann, die gegenüberstehende Person aus dem Gleichgewicht zu bringen. Bei dieser Variante ist es hilfreich, wenn die Partner/-innen mehrmals wechseln, damit verschiedene Vorgehensweisen erfahrbar werden.

Zunächst stehen sich die Partner/-innen dabei gegenüber und versuchen, miteinander erst ins Gleichgewicht zu kommen. Die Fragen wäre hierbei: „Kann ich mein Gewicht abgeben?“, „Finden wir ein Gleichgewicht miteinander?“

Dann soll jede Person versuchen, ob sie sich noch halten kann, wenn die andere nicht mehr dagegen drückt. Auf den Zuruf „Action“ versuchen die Partner/-innen schließlich, einander wegzudrücken oder aus dem Gleichgewicht zu bringen. In der Reflexion kann auf verschiedene Konfliktstrategien eingegangen werden und darauf, wie man im Alltag gewohnt ist, seinen Standpunkt zu verteidigen.

Es gibt im Allgemeinen drei verschiedene Strategien:

  • Die erste Strategie ist abzuwarten, was passiert. Drückt das Gegenüber stark, hält man stark dagegen. Drückt das Gegenüber leicht, fällt die Reaktion auch eher geschmeidig aus.

  • Die zweite Strategie ist nach dem Kampfsignal sofort alle Kraft einzusetzen, um zu siegen.

  • Bei der dritten Strategie wird versucht, mit Tricks zu arbeiten, die die andere Person aus dem Gleichgewicht bringen.

Welche Strategie zum Erfolg führt und welche einem persönlich liegt, ist dabei sehr unterschiedlich.

Reflexionsfragen

  • Konnte ich meinen Stand halten?

  • Kann ich meine Partner in diese Typen einordnen?

  • Wo ordne ich mich selbst eher ein?

  • Wie konnte ich mit den verschiedenen Vorgehensweisen umgehen? Welche Gefühle hatte ich dabei? Veranlasst mich eine dieser Strategien dazu, mein normales Verhalten zu ändern?

  • Verhalte ich mich im Alltag, wenn es darum geht, meinen Standpunkt zu verteidigen oder meinen Selbststand zu bewahren, genau so?

  • Fällt es mir leichter, körperlich oder verbal meinen Standpunkt zu vertreten?

  • Welche Vor-und Nachteile hat die jeweilige Strategie?

  • Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Sind Mädchen eher besser in der verbalen und Jungen eher in der körperlichen Durchsetzung? Wer könnte da noch was dazulernen?

Notwendige Medien/Material

  • kein zusätzliches Material erforderlich

Erfahrungen

  • Je impulsiver die Teilnehmenden sind, umso klarer müssen die Regeln vor der Übung festgelegt werden.

  • Um den Effekt der Erdung zu verstärken, ist es auch möglich, sanfte, eher beruhigende Hintergrundmusik einzuspielen. Um den Kampfeffekt zu verstärken eher aufpeitschende Musik.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Das runde Dreieck:

Pädagogisches Ziel

Die Jugendlichen erleben kommunikative und kooperative, u. U. auch aggressive Abläufe in einer Kleingruppe. Die TN gewinnen in der Reflexion mehr Klarheit über ihre individuellen Konfliktstrategien im Zusammenhang mit einer Gruppe.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 12 Jahren

  • 6 - 16 Personen

Zeitlicher Rahmen

8 - 20 Minuten

Beschreibung

Lockere Übung mit tiefgehender Wirkung.

Wenn die TN aufgewühlt sind oder als Einstieg in pikante Themen.

Ablauf

Die TN werden in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt. Im Raum stehen mindestens zwei Stühle mehr als es TN gibt. Den Kleingruppen wird nun getrennt voneinander ihre Aufgabe mitgeteilt. Wichtig ist, dass die andere Gruppe nichts davon mitbekommt! Gruppe 1 hat den Auftrag, aus den Stühlen ein Dreieck zu stellen, Gruppe 2 soll einen Kreis bilden. Nach ca. 5 bis 10 Minuten beendet die Leitung die Übung.

Reflexion

Im ersten Schritt der Reflexion wird beleuchtet, wie sich die Umsetzung der Aufgabe gestaltet und welche Dynamik sich untereinander entwickelt hat. Hier sollten möglichst wertfreie Beobachtungen mitgeteilt werden:

  • Was habt ihr beobachtet?

  • Wie haben sich die Gruppen untereinander verständigt?

  • Wann hat sich die Dynamik untereinander geändert? Wann ist es lebendiger, lauter, aggressiver … geworden?

 Im zweiten Schritt werden Konflikte fokussiert:

  • Wie ist deutlich geworden, dass es unterschiedliche Aufträge (Interessen) der Gruppe gegeben hat?

  • Gab es eine Lösung?

  • Was hat zur Klärung der Situation beigetragen?

  • Welche Handlungen wurden als schwierig erlebt?

  • Hat es eine Konfliktverschiebung gegeben? Ging es irgendwann um etwas anderes, als um das Stellen von Stühlen? Wenn ja, worum ging es bei dem neuen Konflikt?

  • Wie glaubt ihr, wäre die Übung gelaufen, wenn Alkohol im Spiel gewesen wäre?

 Im letzten Schritt werden die unterschiedlichen Rollen und Konflikttypen angeschaut?

  • Wer hat kämpferisch in dem Konflikt gehandelt? Was hat das bewirkt?

  • Wer hat eher beruhigend auf die anderen eingewirkt? Wie kam das bei den anderen an?

  • Wer hat sich rausgehalten? Wie war das für die anderen?

  • Meint ihr, Alkoholkonsum hätte die Rollenmuster verändert?

Aus der Reflexion kann gut die Überleitung zum Thema „Gewalt als Gruppenphänomen“ geschaffen werden.

Variante

Variante Alkohol: Bei der Vergabe der Aufträge wird einer Gruppe oder beiden Gruppen gesagt, sie sollten so agieren, als ob sie schon zwei Bier getrunken hätten.

Die Reflexion beginnt dann mit der Anweisung: „Jetzt seid ihr wieder nüchtern!“

Folgende Fragen können interessant sein:

  • Wie hat sich der (gespielte) Konsum von Alkohol auf die Kooperationsfähigkeit und das Konfliktverhalten ausgewirkt? Wart ihr lockerer oder aggressiver?

Weitere Varainte: Wenn die Gruppe etwas größer ist, können auch Beobachtungsaufgaben an Personen vergeben werden, die dann selbst nicht an der Übung beteiligt sind. Die Beobachtungsfragen orientieren sich an den Reflexionsfragen und werden den Personen als Orientierung schriftlich gegeben. Bei der Reflexion selbst kommen immer erst die Akteurinnen und Akteure zu Wort, anschließend geben die Außenstehenden ihre Beobachtungen wieder.

Notwendige Medien/Material

  • Stühle

Erfahrungen

  • Die Übung nimmt häufig eine hohe Dynamik an: Stühle werden unter Umständen sehr wild „an ihren richtigen Platz“ gestellt. Es empfiehlt sich daher unbedingt im Vorfeld der Übung, ein Stopp-Signal durch die Anleitung (z. B. lautes Pfeifen) zu vereinbaren.

  • Es gibt natürlich immer eine Lösung des gespielten Konflikts: Nämlich, einfach zwei Gebilde zu stellen, einen Kreis und ein Dreieck. Falls die Gruppe selbst nicht zu der Lösung gekommen ist, liegt es an der Leitung, diese Lösung in der Reflexion ins Spiel zu bringen:

    “Hatte jemand die Idee für diese Lösung? Warum hat sie sich (nicht) durchgesetzt?”

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

SZENISCH/SPIELERISCH

GRUPPENSPIELE

Expertengespräch 1:

Pädagogisches Ziel

Zunächst sollen die TN über den Blick von „außen“ als Experten dabei unterstützt werden, die Dynamiken hinter gewalttätigem Verhalten zu erkennen und zu reflektieren. Als Experten ihrer eigenen Lebenswelt können sie sich dann selbst geeignete Interventionsmöglichkeiten „verschreiben“.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • In der ganzen Gruppe bis 8 Personen, in der Variante mit Kleingruppen bis zu 30 Personen

Zeitlicher Rahmen

Als Expertenrunde in der Großgruppe je nach Engagement der TN bis zu 45 Min. oder in größeren Gruppen mit Vorbereitungszeit für die Kleingruppen zusätzlich 20 – 30 Min.

Beschreibung

Die TN diskutieren anhand eines aktuellen Falles über die Hintergründe von Jugendgewalt im Alkoholrausch und entwickeln Ideen für Präventionsstrategien.

Für Gruppen in vielen Settings (siehe auch Variationsmöglichkeiten) und Gruppenphasen geeignet.

Ablauf

Die TN bilden eine Expertenrunde zum Thema „Jugendgewalt“ (bspw. Sozialpädagogen, Polizisten, Jugendrichter, Psychologen) und diskutieren, moderiert von der Leitung, über verschiedene Aspekte. Themen, die der „Talkmaster“ einbringt, könnten sein:

  • Welche Motive treiben Jugendliche dazu, gewalttätig zu werden?

  • Spielt Alkoholkonsum dabei eine Rolle und wenn ja, welche?

  • Wird die heutige Jugend wirklich immer gewalttätiger und wenn ja, warum?

  • Wie kommt es, dass auch unauffällige junge Menschen in regelrechte Gewaltexzesse verfallen und jegliche Grenzen menschlichen Mitgefühls überschreiten?

  • Welche Rolle spielen dabei die Erziehung und der Freundeskreis?

  • Gibt es besondere Risikofaktoren, zum Gewalttäter zu werden?

  • Was unterscheidet Gruppen, in denen zwar auch heftig Alkohol getrunken wird, aber gewalttätiges Verhalten nicht akzeptiert wird, von Gruppen, in denen es regelmäßig zu Auseinandersetzungen kommt?

  • Warum ist die überwältigende Zahl an Gewalttätern männlich?

  • Der „Talkmaster“ sollte dabei stets versuchen, eine intensive Diskussion zu strukturieren und ausufernde Entwicklungen zu fokussieren. Lahme Diskussionen müssen häufig durch kritische Nachfragen und neue Fragen an die Runde angeheizt werden.

Um die Übung abzurunden, sollte versucht werden, ein gemeinsames Ergebnis zu finden, insbesondere zu der Frage, was helfen kann, gewalttätiges Verhalten junger Menschen unter Alkoholeinfluss künftig zu verhindern.

Reflexion

Nachdem die TN wieder aus ihren Rollen „geschlüpft“ sind, sollte zumindest eine kurze offene Reflexionsrunde stattfinden, wie es den Einzelnen persönlich in der Rolle ergangen ist (z. B. „Kannst du jetzt das Verhalten/die Einstellung eines Polizisten, Jugendgerichtshelfers o. ä. nachvollziehen?“; „Was bedeutet dies für dein persönliches Verhalten in Bezug auf Alkohol/Gewalt?“).

Variante

Variante Kleingruppe: Ist die Gruppe recht groß (ab 8 TN) sollten zunächst Kleingruppen gebildet werden, die das Thema im Vorfeld diskutieren. Um die Vorbereitung zu konkretisieren, sollte den Gruppen Arbeitsmaterial (Zeitungsartikel, ein Teil der Fragen durch den Talkmaster) zur Verfügung gestellt werden.

Variante Talkshow: Wenn mehr Zeit zum intensiven Arbeiten besteht und die Gruppe groß genug ist (ab 15 TN), sollen sich die Kleingruppen auf eine Rolle (z. B. wir sind Sozialpädagogen in einem Jugendtreff, Jugendrichter am Amtsgericht) einigen und aus ihrer Profession heraus Vorannahmen zu Motiven und Hintergründen oder Forderungen für Sanktionen bzw. Maßnahmen erarbeiten. Um die Rollen klarer auszufüllen, sollten die TN zunächst in einer kurzen Vorrunde definieren, was die Aufgaben und Ziele ihrer Berufsrolle sind. Ein Mitglied der Gruppe geht am Ende stellvertretend in die „Talkshow“ – die Diskussion mit den Vertretern der anderen Gruppen.

Notwendige Medien/Material

  • Aktuelle Zeitungsartikel bzw. Fachartikel zu Jugendgewalt

Erfahrungen

  • Diese Methode verlangt ein gewisses Mindestmaß an Motivation zur Auseinandersetzung mit dem Thema von den TN und ggf. für die Kleingruppen Materialien zur Vorbereitung (z. B. kurze Hinweiskarten: „Was ist die Aufgabe eines Jugendrichters?“).

  • Können sich die Gruppen auf die Methode einlassen, entspinnt sich unserer Erfahrung nach meist sehr schnell eine intensive und tiefgründige Diskussion. Besonders spannend ist bei entsprechender Zeit Variante 2.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

 

Expertengespräch 2:

Pädagogisches Ziel

Die TN tauschen sich über konstruktive Konfliktlösungen und verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol aus. Sie entwickeln kreative Lösungsstrategien und erweitern dadurch ihre eigenen Kompetenzen.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren – gerade auch Personen, die einschlägige Erfahrung mit Gewalthandeln unter Alkoholeinfluss haben

  • 5 - 10 Personen

Zeitlicher Rahmen

45 - 60 Minuten

Beschreibung

Die Jugendlichen können ihr Wissen und ihre Erfahrungen in der Vermeidung von Gewaltsituationen und dem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol einbringen. Als Expertinnen und Experten stehen sie fiktiven Schülerinnen und Schülern, die etwas jünger sind als sie selbst, zur Seite.

Der Ressourcenansatz der Prävention geht davon aus, dass die betroffenen Personen das Potential zur Bewältigung schwieriger Situationen bereits haben. Dieses Potential wird in der Methode abgerufen. Jugendliche werden als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Sache behandelt.

Die Übung kann gut zu Beginn eines Gruppenprozesses eingesetzt werden.

Ablauf

Der Übung wird eine Erklärung und fiktive Situationsbeschreibung vorausgeschickt:

„Ihr habt sicher alle Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Situationen. Jede und jeder von euch ist geübt darin, mit großen und kleinen Problemen klarzukommen. Wenn auch nicht immer alles gelingt, so könnt ihr doch jetzt Dinge, die letztes Jahr vielleicht noch nicht geklappt haben. Ihr seid die Expertinnen und Experten für euer eigenes Leben.

In dieser Übung sind eure Fähigkeiten gefragt, um Gewalt und Alkoholmissbrauch zu vermeiden.

Stellt euch jetzt mal vor, ihr seid in einer Schulklasse zu Gast, mit Schülerinnen und Schülern, die zwei Jahre jünger sind als ihr. Und stellt euch mal vor, ihr seid als Expertinnen und Experten für Vermeidung von Gewalt und Alkoholmissbrauch eingeladen.

Alle Schülerinnen und Schüler sind neugierig auf euch und euer Wissen. Sie haben Zettel mit Fragen ausgefüllt, die ihr beantworten sollt. Tut mal so, als ob ihr vor den Jugendlichen steht und auf diese Fragen antwortet.“

In der Mitte des Sitzkreises liegt nun ein Stapel mit vorbereiteten Fragen bereit (siehe CD). Die erste Person zieht eine Karte und liest sie vor. Dann versucht sie, so gut wie möglich auf diese Frage zu antworten. Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch, nur spontane Meinungsäußerungen.

Selbstverständlich können andere aus der Runde auch hilfreiche Tipps geben und die Antwort bereichern. Nachfragen ist erwünscht.

Die Leitung moderiert diesen Prozess, indem sie die Qualitäten der Tipps hervorhebt, darum bittet, Ansichten zu erläutern, und die Runde zur konstruktiven Unterstützung animiert.

Die Beantwortung der Fragen ist natürlich freiwillig. Möchte jemand eine Frage nicht beantworten, so ist es möglich, eine neue zu ziehen.

Wenn die Frage zur Genüge erörtert wurde, zieht die nächste Person eine Fragekarte.

Reflexion

Im Anschluss an die Übung kann ein kurzes Feedback sinnvoll sein. Hilfreiche Fragen für die Auswertung sind:

  • Was hat euch bei dieser Diskussion gut gefallen?

  • Gab es Aussagen, die euch überrascht haben?

  • Was war das Wichtigste, das ihr in dieser Runde gelernt habt?

Variante

Die Verteilung der Fragen kann auch auf alternativen Wegen stattfinden:

  • Die eine Person zieht die Frage, liest sie vor und bittet ein oder zwei andere aus dem Kreis um eine Antwort.

  • Zu Beginn zieht jede Person eine Frage und beantwortet sie später. So besteht die Möglichkeit, sich inhaltlich etwas vorzubereiten.

Es können auch neue, eigene Fragen formuliert werden.

Notwendige Medien/Material

12 vorbereitete Fragekarten sind auf der CD unter 5.3.7 „Expertengespräch 2“ zu finden.

Kopiervorlage Fragekarten:

  • Was kann ich tun, wenn sich zwei aus meinem Freundeskreis streiten?

  • Was hilft mir, damit ich nicht wieder zuschlage, wenn mich jemand provoziert?

  • Manchmal bin ich so wütend, dass ich ausraste. Was kann helfen, damit ich mich wieder beruhige?

  • Wie kann ich mich bei anderen ohne Gewalt durchsetzen?

  • Was ist das Beste, wenn jemand Alkohol getrunken hat und dann von anderen angemacht wird?

  • Ich möchte eine Party veranstalten und verhindern, dass es dort Stress gibt. Welche Maßnahmen lohnen sich für mich?

  • An wen wende ich mich am besten, wenn ich Probleme mit anderen aus der Schule habe?

  • Wenn jemand auf der Straße angepöbelt wird, würde ich gerne helfen. Welche Tipps hast du für mich?

  • Wie verschaffe ich mir Respekt in meiner Klasse?

  • Was kann ich tun, damit ich bei meinen Freunden beliebt bin?

  • Was braucht es, damit auf Partys auch ohne Alkohol Stimmung aufkommt?

  • Was passiert, wenn bei einem Streit auch noch Alkohol im Spiel ist?

Erfahrungen

Eine wichtige Voraussetzung für diese Übung ist, dass die fiktive Situation, von jüngeren Jugendlichen gefragt zu werden, immer präsent ist. Das steigert das Verantwortungsbewusstsein und die Kreativität. Hinweise, die die fiktive Situation unterstützen können, sind:

  • Stell dir mal vor, da ist ein 13-Jähriger (Alter anpassen) und braucht deine Hilfe.

  • Das sind ernste Fragen und die Schülerinnen und Schüler brauchen ernste Antworten. Ihr kennt euch doch aus. Was könnte hilfreich sein?

Manchmal kann das Arbeiten in geschlechtergetrennten Gruppen sinnvoll sein, wenn das andere Geschlecht zu Unsicherheit oder Prahlerei Anlass gibt.

Erscheinen der Spielleitung einzelne Antworten zweifelhaft, empfiehlt es sich, die Frage noch mal der ganzen Gruppe zu stellen. Meistens werden solche Antworten dann durch die Gruppe relativiert und andere Aspekte hervorgehoben. Gerade beim Austausch unter Gleichaltrigen sind Jugendliche in der Regel sehr aufgeschlossen, weil sie sich gegenseitig differenziert und authentisch erleben können.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

Fight, fight, freeze? Was für ein Typ bin ich?

Pädagogisches Ziel

Reflexhafte Reaktionen in Konfliktsituationen werden erfahrbar gemacht und reflektiert. Eine bewusste Auseinandersetzung darüber, welche Reaktionen in welcher Situation vorteilhaft sind, wird angeregt. Das Verhaltensrepertoire wird erweitert.

Zielgruppe(n)

  • Jugendliche ab 14 Jahren

  • 4 - 30 Personen

Zeitlicher Rahmen

30 - 45 Minuten

Beschreibung

Bei einer gespielten Provokation werden körperliche Merkmale wahrgenommen. Durch die Einordnung der körperlichen Merkmale in ein biologisches Modell wird sowohl die Selbsterkenntnis als auch die Distanzierung gefördert.

Anspruchsvolle Übung, die voraussetzt, dass die Leitung absolut sicher ist, und die nur in Gruppen angewendet werden kann, in denen gegenseitiges Vertrauen herrscht. Die Übung kann gut vor „Cool down“ eingesetzt werden.

Ablauf

Die Gruppenleitung führt in die Übung ein:

„Wir machen jetzt ein Experiment. Dabei geht es darum, dass einer/r den/die andere/n verbal (also sprachlich) provoziert. Es ist eine Spielsituation, bei der es um Selbsterkenntnis geht. Es geht nicht darum, den anderen fertig zu machen! Die Provokation hilft uns, dass wir uns so realistisch wie möglich in die Situation hineinversetzen können. Wir wollen unsere Körperreaktionen während der Provokation beobachten und daraus schließen, was für ein Körpertyp wir sind. Gewalttätige Reaktionen, z. B. den anderen schlagen o. ä., sind verboten!

Aufgabe des Provozierten ist es, seine Körperreaktionen während der Provokation zu beobachten. Geht jetzt in Zweiergruppen zusammen und einigt euch, wer zuerst  provoziert.

Pause

Überlegt euch, wie ihr euren Partner provozieren könntet.

Pause

Der Provozierte schließt die Augen, reagiert nicht, sondern beobachtet, was mit ihm körperlich passiert!

Seid ihr alle bereit?

Los geht´s!“

 Anschließend unterstützt die Gruppenleitung die Selbstreflexion durch Fragen wie:

  • Was spürst du?

  • eher ruhig?

  • Geht dein Atem eher schneller oder langsamer?

  • Wird dir an Kopf oder Händen eher heiß oder eher kalt?

  • Spürst du deinen Herzschlag?

  • Geht dein Puls schneller oder langsamer?

  • Spürst du ein Zucken in der Hand?

  • Würdest du jetzt am liebsten zuschlagen?

  • Oder spürst du ein Zucken im Fuß und würdest am liebsten weglaufen?

  • Oder hast du eher ein Gefühl der Erstarrung?

Danach sagen die Provokateure ihren Partnern, wie es ihnen während der Provokation gegangen ist. Anschließend werden die Rollen getauscht.

Im folgenden Plenum werden körperliche Reaktionen auf ein Flipchart mit der Überschrift „Körperliche Reaktionen auf Provokationen“ unter den Überbegriffen: „Kampf“ (fight) - „Flucht“ (flight) - und „Erstarrung“ (freeze) gesammelt und von der Leitung geordnet. Zeitbedarf dafür: 10 – 15 Minuten

Die Leitung erklärt die Begriffe:

Durch Provokationen werden im Allgemeinen Kampf- und Flucht-Reflexe, d. h. „Sympathikus“-Reaktionen (z. B. Aufregung, Puls und Blutdruck steigen, man bekommt einen heißen Kopf, Hitzewallungen) aktiviert. Der Herzschlag erhöht sich und die Lunge öffnet sich. Das bereitet auf Kampf oder Flucht vor.

Wenn weder Kampf noch Flucht aussichtsreich sind, kann es aber auch zu „Parasympathikus“-Reaktionen kommen. Herzschlag und Lungenfunktion werden reduziert, der Körper fährt alle Funktionen herunter. Ein Beutetier versucht sich, wenn es nicht fliehen kann oder ein Kampf aussichtlos ist, dem Zugriff des Raubtieres dadurch zu entziehen (z. B. der Atem stockt, Hände und Füße werden kalt, man erstarrt). Raubtiere reagieren auf Bewegung. Wenn sich ein Beutetier nicht rührt, nicht atmet, kein Herzschlag mehr sichtbar ist, kann es übersehen werden.

Diese Reaktionsmechanismen sind in uns allen verankert. Durch unsere Geschichte und Erfahrungen kann es sein, dass unser Verhaltensrepertoire einseitig ist bzw. wir unflexibel geworden sind.

Nun werden die Reflexionsfragen (siehe unten) angeboten.

Reflexion

  • Wo würdet ihr euch eher einordnen? (Kampf, Flucht oder Erstarrung?)

  • Welche Reaktion ist wann angesagt? (Wenn es mir wichtig ist, lohnt es sich, am besten verbal, für meine Interessen zu kämpfen/bei Leuten, die Streit suchen, ist es meist besser, die Straßenseite zu wechseln/wenn Flucht aussichtslos ist, kann „nicht auffallen“ eine nützliche Reaktion sein …)

  • Habe ich die Möglichkeit, je nach Situation flexibel zu reagieren? (Kann ich meine Reflexe beherrschen und je nach Situation umsteuern?)

  • Was will ich verändern/üben?

Notwendige Medien/Material

  • Flipchart

Erfahrungen

Es muss klar sein, dass es nicht darum geht, seinen Partner zu verletzen. Ein Gruppengefühl der gegenseitigen Achtung und des Vertrauens muss vorhanden sein. Die Gruppe sollte Interesse an Selbsterfahrung haben. Die Gruppenleitung sollte auf jeden Fall wissen, ob sie einzelne Personen in der Gruppe hat, die die Situation ausnutzen und versuchen könnten, den anderen richtig zu verletzen oder die die Provokation nutzen könnten, um gewalttätig reagieren zu können. Wenn ein Jugendlicher nicht provozieren will oder nicht provoziert werden will, kann er natürlich auch nur zusehen.

Ansprechpartner
Jörg Breitweg

 

Hintergrundinformationen

aj-Praxis: Zündstoff - Methoden und Grundlagen zur Prävention von Gewalthandeln unter Alkoholeinfluss

Die Broschüre „Zündstoff“ ist ein Praxisbuch zum Thema Alkohol und Gewalt. Sie zeigt eine ganze Reihe an pädagogischen Methoden auf, die geeignet sind, um einen konstruktiven Umgang mit Aggression zu erlernen und die darüber hinaus die Rolle und den Konsum von Alkohol berücksichtigen. Gleichzeitig stellt das Heft Grundlagen zum Thema bereit und befasst sich mit der Frage, wie diese Methoden auch wirksam werden können.

„Zündstoff“ ist für alle Pädagoginnen und Pädagogen geeignet, die mit jungen Menschen arbeiten und diese für ein gewaltfreies Miteinander und den bewussten Umgang mit Alkohol befähigen wollen.

Hrsg.: Aktion Jugendschutz Bayern e.V., München 2014, 112 S., Preis 8,50 €

Verwandte Themen

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“Nüchtern passiert mir sowas nicht" - Alkohol und Gewalt: Prävention an der Schnittstelle, proJugend 2/2013, Quelle: https://bayern.jugendschutz.de/de/Schwerpunkte/gewaltpraevention.php#anchor_69c8a0d2_Accordion-Materialien-und-Projekte

 

 

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Der Methodenkoffer wird von der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern e.V. im Rahmen des Projektes "Alles Glaubenssache?“ der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) entwickelt.